Heizungsersatz

Mit Propan-Power in die Zukunft

Ein älteres Mehrfamilienhaus in Schaffhausen wurde mit fast allen Energieträgern beheizt. Nach Kohle, Heizöl und Erdgas ist nun die kostenlose Umgebungsluft an der Reihe. Zwei kaskadierte Wärmepumpen liefern zuverlässige Wärme.

von Michael Staub

Journalist BR, Kriens

An der Bergstrasse in Schaffhausen, mit schönem Blick auf das Städtchen und seine Umgebung, steht ein gepflegtes Mehrfamilienhaus. Es wurde 1954 von einem Architekten erbaut und vermietet. «Einige Jahre später hat mein Vater das Haus übernommen. Seit 1985 ist es in meinem Besitz. Meiner Frau und mir ist der langfristige Werterhalt wichtig, und deshalb haben wir im Lauf der Jahre immer wieder investiert», sagt Eigentümer Urs Dejung. Zu den wichtigsten Sanierungsschritten zählten ein kompletter Fensterersatz, das Dämmen von Kellerdecke und Estrichboden sowie die schrittweise Modernisierung der Gebäudetechnik. Hinter den im Kellerraum abgestellten Velos glänzt ein brandneues Elektro-Tableau. Es wurde noch vor der Heizungssanierung eingebaut, die vor wenigen Monaten ihren Abschluss fand.

Interessante Geschichte

Die zwei neuen Wärmepumpen, die seit Kurzem ihren Dienst tun, benötigen mehr elektrische Leistung und damit auch eine höhere Absicherung. Mit der vorgängig erneuerten und verstärkten Hausinstallation war diese Anforderung bereits erfüllt. Auch bezogen auf die Wärmeerzeugung ist das Haus ein ausgezeichnetes Studienobjekt. Denn es hat die sukzessive Entwicklung der verschiedenen Energieträger mitgemacht. Erbaut wurde es mit einer Kohlenfeuerung, die Urs Dejungs Vater ungefähr in den 1960er-Jahren durch eine damals moderne Ölheizung ablöste. Um 2008 erfolgte dann der Wechsel auf Erdgas. «Der Servicetechniker informierte mich vor gut zwei Jahren, dass sich diese Gasheizung dem Ende ihrer Lebensdauer näherte. Weil kein 1:1-Ersatz mehr bewilligt wird, empfahl er mir, rechtzeitig eine neue Lösung zu suchen», berichtet Urs Dejung.

Mit diesem Anliegen wandte sich der Bauherr an Markus Pfeiffer. Der diplomierte Heizungsmeister führt die R. Pfeiffer Heizungen GmbH (Schaffhausen) als Einmannbetrieb. «Eine Erdsonden-Wärmepumpe wäre eine sehr effiziente Lösung gewesen. Doch hier gibt es ein Bohrverbot, denn unterhalb des Terrains verläuft der Tunnel der Autobahn A4 in Richtung Waldshut», sagt Markus Pfeiffer. Als zweite Variante prüfte der Heizungsfachmann eine Kaskade mit zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen. Diese schien gut machbar. Doch wegen des immer noch guten Zustandes der Gasheizung drängte sich die Sanierung nicht unmittelbar auf. Im Frühling 2025 war jedoch der Moment gekommen. «Nun hatten wir eine attraktive neue Option zur Verfügung, nämlich die Propan-Wärmepumpe. Zudem vermutete man, dass die kantonalen Fördergelder für den Heizungsersatz ab 2026 wegfallen könnten», sagt Markus Pfeiffer.

Gut platziert

Bei der Ausarbeitung des Projektes war die Platzierung der beiden Wärmepumpen ein grosses Thema. Wie so viele Eigentümerschaften waren auch Beatrice und Urs Dejung nur halb glücklich, als sie sich die Integration der zwei Maschinen in ihren Garten vorstellten. Doch dann fand sich eine zufriedenstellende Lösung. Der Garten der Liegenschaft wird von einer Stützmauer begrenzt. Unterhalb dieser konnte das Fundament für die zwei Wärmepumpen erstellt werden. «Zunächst dachten wir alle, dort sei bereits städtischer Boden. Doch letztlich zeigte der Blick ins Grundbuch, dass auch dieser Streifen Land noch zu unserer Parzelle gehört. Somit war die Platzierung kein Problem», sagt Urs Dejung. Der Baumeister betonierte das Fundament und zog einen offenen Graben für die notwendigen Leitungen zum Heizraum. Dort wurden der neue Pufferspeicher (Volumen 800 Liter) sowie der Warmwasserspeicher (Volumen 800 Liter) nebst den Steuerungen und Innengeräten der zwei Wärmepumpen untergebracht.

Die neuen Maschinen vom Typ Elco Aerotop SPK16 liefern jeweils eine Heizleistung von 16 Kilowatt. Sie sind von Haus aus für die Fernwartung Remocon Net vorbereitet. Diese Option nutzt Urs Dejung, um die Heizungsanlage via Smartphone fernzusteuern. «Das ist viel praktischer, als jedes Mal in den Keller zu steigen und zu ‹schrüüble›», sagt der Eigentümer. Paulo Pereira, zuständiger Verkaufsberater bei Elco, weist auf einen weiteren Vorteil hin: «Mit dieser App hat man auch gleich einen fachkundigen Support. Unsere Fernwartungsspezialisten können so unkompliziert die wichtigsten Einstellungen prüfen und wenn nötig anpassen, ohne dass ein Servicetechniker vorbeikommen muss.»

Doppelt stark

Die Kaskaden-Schaltung macht aus den beiden Wärmepumpen ein leistungsstarkes Team. «Wir haben damit einen grossen Modulationsbereich. Im Sommer brauchen wir relativ wenig Leistung für das Warmwasser. An einem kalten Wintertag hingegen ist die volle Leistung für Heizung und Warmwasser angesagt. Die Kaskade kann auf diesen wechselnden Bedarf flexibel reagieren und läuft darum immer effizient», erläutert Markus Pfeiffer. Positiv sei auch die Ausfallsicherheit, denn falls bei einer Wärmepumpe eine Störung auftrete, könne die zweite immer noch einen Teil der Grundlast liefern. Dank der automatischen Kommunikation zwischen den Maschinen werden beide gleichmässig beansprucht, was die Lebensdauer verlängert. Und nicht zuletzt ist mit zwei mittelgrossen, aber leisen Wärmepumpen der Schallschutz wesentlich leichter einzuhalten als mit einer einzigen grossen und entsprechend lauteren Maschine.

Propan-Wärmepumpen wie die Aerotop SPK16 sind in der Schweiz immer häufiger anzutreffen. Der Hintergrund sind die kommenden Vorschriften bezüglich natürlicher Kältemittel (siehe Hauseigentümer Nr. 2/2025). Propan erfüllt diese Vorgaben optimal und ermöglicht sehr effiziente Heizleistungen. Auch ältere Gebäude wie das Mehrfamilienhaus von Dejungs können damit problemlos beheizt werden. «Es braucht keine grossen Anpassungen, und die bestehenden Hochtemperatur-Heizkörper können einfach weiter betrieben werden», erläutert Installateur Markus Pfeiffer. Das sei ein grosser Vorteil insbesondere bei älteren Liegenschaften: «Ein Heizungsersatz ist nicht ganz günstig. Da ist man froh, wenn wenigstens die Wärmeabgabe belassen werden kann. Radiatoren sind sehr langlebige Bauteile, und es macht Sinn, sie weiterhin zu nutzen.»

Tschüss Elektroboiler

Im Zug der Sanierung konnte auch die Warmwassererzeugung modernisiert werden. Die vier Mietwohnungen im Haus besassen jeweils einen eigenen Elektroboiler. Diese Geräte konnten durch die neue zentrale Warmwasseraufbereitung ersetzt werden. In der obersten Wohnung, die von Dejungs bewohnt wird, sind noch zwei letzte Mini-Boiler in Bad und Küche im Einsatz – «sie funktionieren noch tipptopp, und es gab keinen Grund, sie zu ersetzen», wie Markus Pfeiffer sagt. Somit ist das Haus für die weitere Nutzung bestens vorbereitet. «Wir haben immer wieder investiert und legen grossen Wert auf ein gutes Verhältnis mit den Mietparteien. Das lohnt sich, denn wir haben kaum je einen Wechsel, was auch die ganze Verwaltung sehr vereinfacht», sagt Urs Dejung. So bleibt dem Ehepaar mit seinem vorbildlich sanierten Haus mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben – zum Beispiel den ausgiebigen Kontakt mit den fünf Enkelkindern.

Projektdaten

Alte Heizungslösung

Gasheizung für Raumwärme (Leistung 35 Kilowatt), insgesamt 6 dezentrale Elektroboiler für Warmwasser.

 

Neue Heizungslösung

Zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen Aerotop SPK16 in Kaskadenschaltung für Raumwärme und Warmwasser (Leistung insgesamt 32 Kilowatt). Zentraler Warmwasserspeicher (Volumen 800 Liter), Pufferspeicher für Heizung (Volumen 800 Liter), Fernwartungssoftware mit Mobilzugriff Remocon Net.