Ratgeber Tiere

Wenn der Badespass zum Alptraum wird

Sommerzeit ist Badezeit, auch für unsere Hunde. Doch besonders in stehenden Gewässern lauert bei heissen Temperaturen eine tödliche und oft unterschätzte Gefahr: Blaualgen.

von Esther Geisser

Präsidentin Network for Animal Protection (NetAP)

Blaualgen sind keine echten Algen, sondern Cyanobakterien. Diese produzieren ein hochwirksames Leber- und Nervengift, das für Hunde bereits in kleinsten Mengen tödlich sein kann. Die Hunde nehmen das Gift meist beim Trinken aus dem See, beim Spielen im Wasser (z. B. Ball bringen) oder beim Ablecken des nassen Felles auf. Schon wenig kontaminiertes Wasser genügt, um den Hund in Lebensgefahr zu bringen.

Symptome einer Vergiftung

Bereits nach wenigen Minuten bis Stunden können die Toxine erste Symptome verursachen. Diese können von starkem Speichelfluss, Hecheln, Erbrechen, Durchfall (oft blutig), Zittern, Taumeln, Krämpfen, blauen Schleimhäuten, Apathie bis hin zu Atemnot und zur Bewusstlosigkeit führen. Ein eigentliches Gegengift gibt es nicht. Der Tierarzt kann nur symptomatisch behandeln.

Blaualgen erkennen

In stehenden oder langsam fliessenden Gewässern vermehren sich Blaualgen bei anhaltenden warmen Temperaturen explosionsartig. Das Wasser beginnt sich dann häufig grünlich zu verfärben, wirkt trüb, ölig oder flockig und bildet Schlieren. Auch kann das Wasser einen unangenehmen Geruch entwickeln.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung schnell handeln

Besteht der Verdacht, dass der Hund mit Blaualgen in Kontakt gekommen ist, zählt jede Minute. Der Hund muss sofort aus dem Wasser, angeleint und mit sauberem Wasser gereinigt werden (inklusive Pfoten), um ein Ablecken zu verhindern. Falls verfügbar und der Hund bei vollem Bewusstsein ist, können Kohletabletten helfen. Schliesslich muss der Patient umgehend in die nächste Tierklinik gebracht werden, wobei man sein Kommen telefonisch ankündigen sollte, damit der Tierarzt bereits alles für den Notfall richten kann.

Vorbeugen

Der beste Schutz ist die Prävention. Lassen Sie Ihren Hund im Sommer nur in fliessenden oder von den Behörden freigegebenen Gewässern baden. Achten Sie auf Warnschilder und halten Sie immer frisches Trinkwasser bereit. Seien Sie wachsam, damit der Badespass nicht zu Ihrem grössten Alptraum wird.

Ratgeber Tiere

Autorin Esther Geisser schreibt für diese Zeitung regelmässig Ratgeber und Fachartikel zu verschiedenen Aspekten der Tierhaltung und des Tierschutzes.

 

Esther Geisser ist Präsidentin und Gründerin von Network for Animal Protection (NetAP, netap.ch). Sie ist Juristin, hat ein Diplom als Verhaltenstherapeutin für Kleintiere (I.E.T), ist Mitglied der VIETA und hat die FBA für Betreuungspersonal in Tierheimen inkl. Praktikum erfolgreich absolviert. Im Tierschutz ist sie seit frühester Kindheit aktiv.

 

Weitere Artikel finden Sie online auf unserer Zeitungswebsite in der Rubrik «Tiere».