Garten

Pflanzen für die heissen Tage

Hitzewelle und den Garten bepflanzen? Eine klimaresiliente Bepflanzung kann hier die Lösung sein. Welche Pflanzen die Tropenhitze aushalten.

von Judith Supper

Journalistin

Die Schweiz erlebte gerade eine extreme Hitzewelle. Über mehrere Tage hinweg kletterten die Temperaturen auf über 35 Grad. Doch was im Moment noch für Schlagzeilen sorgt, dürfte künftig Standard sein. Eine Hitze wie diese ist auch für die Pflanzenwelt herausfordernd – welche Arten kommen mit solch hohen Temperaturen zurecht?

Klimaresiliente Pflanzen können die Lösung sein. «Das sind Stauden, Halbsträucher und Gehölze, die mit längeren Trockenphasen und hohen Temperaturen gut zurechtkommen», erklärt Vincent Fehr von der Gärtnerei florafutura in Wiesendangen. Seit 25 Jahren experimentiert der promovierte Ökologe mit Pflanzen, denen die klimatischen Veränderungen weniger stark zusetzen.

Viele dieser Arten stammen aus (sub)mediterranen Regionen, Steppen oder Prärien. «Sie haben im Lauf der Evolution Strategien entwickelt, um Trockenstress zu überstehen: Silbrige, wachsige oder kleine Blätter reduzieren die Verdunstung, während tiefreichende Wurzeln Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen.»

Richtig angelegte Trockengärten bieten das ganze Jahr über ein vielfältiges Zusammenspiel von Blüten, Blattstrukturen und Wuchsformen. Typische Trockenheitskünstler sind zum Beispiel Zistrosen, Brandkräuter, Lavendel, Mittelmeer-Wolfsmilch, Heiligenkräuter, Distelarten, Skabiosen sowie verschiedene mediterrane Kräuter wie Rosmarin oder Thymian.

«Viele Arten blühen bis weit in den Herbst hinein», sagt Fehr. Dazu zählen Steppen-Salbei, Patagonisches Eisenkraut, Prachtkerze, diverse Sorten des Herbstsalbeis und verschiedene Duftnesseln.

Robuste Herbstastern wie die Berg-Aster verlängern die Saison bis in den Oktober. Gräser, immergrüne Halbsträucher und Gehölze – etwa verholzende Brandkräuter, Erdbeerbäume oder Steinlinden – sorgen auch im Winter für Struktur. Ergänzend funktionieren in Trockengärten auch bekannte Frühblüher wie Walzen-Wolfsmilch und Küchenschellen sowie Geophyten wie Wildtulpen, Narzissen, Krokusse oder Zwerg-Iris.

Milde Winter, heisse Sommer

Noch vor wenigen Jahren waren einige dieser Pflanzen auf klimatisch begünstigte Standorte wie geschützte Stadtlagen, Weinanbaugebiete oder rund um Seen beschränkt. «Durch die zunehmend milderen Winter sowie die heissen und trockenen Sommer funktionieren viele dieser Arten heute im gesamten Schweizer Mittelland gut.»

Von Vorteil sind durchlässige, kiesige oder sandige Böden, viele Arten funktionieren aber auch auf lehmigen Böden gut. Wichtig ist, dass sich keine Staunässe bilden kann.

Wer rasch Wirkung erzielen möchte, setzt laut Fehr auf wüchsige, strukturstarke Arten wie Prachtkerze, Blauraute, Mittelmeer-Wolfsmilch oder Mönchspfeffer.

«Auch als kleine Pflänzchen gesetzt, entwickeln sie oft schon im ersten Sommer eine erstaunliche Präsenz.» Die Prachtkerze blüht von Juni bis Oktober und ist neben weissen auch in rosa Sorten wie ‘Gambit Rose’ oder ‘Siskiyou Pink’ erhältlich. Ihre filigranen Blüten harmonieren gut mit Blauraute, Mönchspfeffer und Brandkräutern.

Pflege: Gewusst, wie

Richtig angelegt können klimaresiliente Pflanzungen sehr pflegeleicht sein. Entscheidend ist jedoch die Anwuchsphase: Im ersten Jahr sollte bei längerer Trockenheit punktuell gewässert werden – danach kommen sie ohne zusätzliche Bewässerung aus.

Wichtig sind gut drainierte Böden. Viele Steppen- und Mittelmeerpflanzen leiden weniger unter Kälte als unter winterlicher Nässe. Mineralische Mulchschichten aus Kies oder Splitt trocknen im Winter schneller ab und erleichtern zudem das Jäten.

Bis sich die Pflanzung geschlossen hat, empfiehlt Fehr, regelmässig zu jäten. Gleichzeitig dürfen punktuell offene Bodenstellen erhalten bleiben. «Sie bieten bodennistenden Wildbienen Lebensraum und ermöglichen manchen Arten die Selbstaussaat.»

Mit dem Rückschnitt kann man bis zum zeitigen Frühjahr warten, da Samenstände und vertrocknete Blüten Struktur in den Wintergarten bringen und Insekten als Überwinterungsquartier dienen.

Klein- und Halbsträucher wie Salbei, Brandkräuter oder Lavendel schneidet man idealerweise direkt nach der Blüte leicht zurück – «so bleiben sie kompakt und vital.»

Die Mischung machts

Und was hält der Experte für zukunftsfähige Pflanzen von der Kritik, fremdländische Pflanzen wären für die heimische Insektenwelt sinnlos?

«Gewisse einheimische Pflanzen sind für spezialisierte Insektenarten unverzichtbar und sollten weiterhin eine wichtige Rolle spielen», erklärt Fehr. Gleichzeitig führt der Klimawandel dazu, dass immer mehr Arten durch zunehmende Hitze und längere Trockenphasen unter Druck geraten.

Gefragt seien deshalb vielfältige Pflanzungen aus einem Mix aus einheimischen und nicht-einheimischen Arten.

«Entscheidend ist weniger die Herkunft als die ökologische Funktion, die Standorttauglichkeit und eine möglichst grosse pflanzliche Vielfalt.» Viele Arten aus dem Mittelmeerraum werden zudem intensiv von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten besucht.

Klimaresiliente Gärten leben gerade von dieser Vielfalt – «und verlängern die Blühsaison oft bis weit in den Herbst.»

Klimarobuste Stauden und Gehölze

Sonnige Standorte

Zistrosen (Cistus)

Brandkräuter (Phlomis)

Heiligenkräuter (Santolina)

Verschiedene Salbeiarten (Salvia)

Strauchiges Hasenohr (Bupleurum fruticosum)

Edeldisteln (Eryngium)

Königskerzen (Verbascum)

Sonnenhüte (Echinacea)

(sub)mediterrane Skabiosen (Scabiosa sp. und Lomelosia sp.)

Rote Yucca (Hesperaloe parviflora)

Mittelmeer-Wolfsmilch (Euphorbia characias)

zahlreiche mediterrane Kräuter (Rosmarin, Thymian, Bergtee, Meerfenchel)

Blattschmuckstauden für (halb-)schattige, trockene Bereiche

Weicher Akanthus (Acanthus mollis)

Korallen-Wolfsmilch (Euphorbia coralloides)

Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus)

Korsische Nieswurz (Helleborus argutifolius)

Duftender Storchschnabel (Geranium macrorrhizum)

Korallen-Iris (Iris foetidissima)

Mäusedorn (Ruscus aculeatus)

Immergrüne, schnittverträgliche Sträucher

Zwerg-Klebsame (Pittosporum tobira ‘Nanum’), nur geschützte Lagen

Lorbeerschneeball (Viburnum tinus)

Kermeseiche (Quercus coccifera)

Erdbeerbaum (Arbutus unedo)

Echter Lorbeer (Laurus nobilis)

Steinlinden (Phillyrea sp.)