Arbeiten

Wenn das Zuhause zum Büro wird

Der Homeoffice-Trend hält in der Schweiz weiter an. Höchste Zeit also, das heimische Büro nicht nur temporär einzurichten.

von Silvia Schaub

Journalistin

Lange glaubte man, das während der Pandemie verordnete Arbeiten von zu Hause sei nur ein kurzfristiges Phänomen. Heute ist klar: Es ist ein fester Bestandteil der Arbeitswelt geworden. Mehr noch: Im zweiten Quartal 2025 erreichte das Angebot an Homeoffice-Jobs mit gut 14 Prozent einen neuen Höchststand, wie eine Auswertung der Jobplattform Indeed zeigt. Damit liegt die Schweiz im internationalen Vergleich weit vorne – nur knapp hinter dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Während andere Länder ihre Mitarbeitenden längst wieder ins Büro zurückbeordert haben, ermöglichen Schweizer Unternehmen durchschnittlich 2,4 Homeoffice-Tage pro Woche.

Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten

Jetzt, da das einst improvisierte Heimbüro zur Dauerlösung geworden ist, lohnt sich ein durchdachtes Setup. Die deutsche Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern spricht in ihrem Home Report bereits vom «Hoffice» – der vollständigen Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten. Ein Begriff, der augenzwinkernd auch an «Hoffnung» erinnert, denn ein ruhiger Arbeitsplatz ist nicht immer garantiert.

Für Jan Teunen, Experte für «Wirksame Räume» aus Wiesbaden, ist das Homeoffice ohnehin keine Neuerfindung, sondern ein historisches Modell: Seit Mitte des 12. Jahrhunderts bis etwa 1850 wurde Büroarbeit zu Hause erledigt. «Seit der Pandemie erleben wir nun eine Rückkehr zum Ursprung. Dabei sollte die ursprüngliche Idee des Büros nicht verloren gehen – es wurde erfunden, um das Wertvolle zu schützen.»

Wie stark sich diese Entwicklung in der Einrichtung zeigt, beobachtet Susana Brühlmann, Marketing-Managerin beim Einrichtungshaus Wohnbedarf: «Seit der Pandemie hat sich das Homeoffice vom provisorischen Küchentisch zur vollwertigen Wohn- und Arbeitskultur entwickelt. Früher reichte der Laptop auf dem Esstisch, heute ist es eher der USM-Haller-Arbeitsplatz mit perfekter Kabelführung und Stilfaktor.» Die Nachfrage nach Homeoffice-Produkten sei nach wie vor hoch. Ergonomie, gutes Licht, schöne Möbel, Wohlgefühl und eine harmonische Integration in den bestehenden Wohnraum spielen eine zentrale Rolle.

Weil das Heimbüro heute Teil des Wohnraums ist, darf es auch wohnlich wirken. Dazu braucht es nicht zwingend ein separates Zimmer. Oft genügt es, den Arbeitsplatz in den Wohnbereich zu integrieren – dank schlanken, eleganten Sekretären wirkt das nicht störend. Wenn Möbel so formschön sind wie der Schreibtisch von Nomon House (1), der Pegasus von Tilla Goldberg für Classicon (6) oder der At-At-Sekretär von Röthlisberger (11), dürfen sie durchaus sichtbar bleiben.

Jan Teunen plädiert sogar dafür, das Homeoffice mit viel Schönheit zu fluten – sie sei der «Dünger für Kreativität». Also darf die Büroecke stilistisch zum Wohnraum passen. Ein halbwegs ergonomischer Stuhl gehört dazu, aber bitte nicht aus der Küche: Klassiker wie der Soft Pad Chair EA 208 von Charles & Ray Eames (3), der Fritz Hansen-Stuhl Oxford (2) oder der Drehstuhl S64 Atelier von Marcel Breuer bieten Komfort, Qualität und einen ruhigen Designausdruck, der sich harmonisch einfügt.

«Viele unterschätzen, wie wichtig Licht, Akustik und Ordnung für die Produktivität und das Wohlbefinden sind», weiss Susana Brühlmann. Ein durchdachtes Lichtkonzept schaffe nicht nur klare Sicht, sondern auch Atmosphäre und eine vorteilhafte Ausleuchtung bei Videocalls. Akustik spielt vor allem im Wohnbereich eine grosse Rolle: Vorhänge, Teppiche und weiche Materialien reduzieren Hall und schaffen Ruhe. Ein Teppich ist besonders unter dem Bürostuhl zu empfehlen, um den Parkettboden zu schützen.

Gute Organisation für mehr Effizienz

Auch Ordnung ist zentral. «Im Homeoffice verschwimmen Arbeit und Privatleben schnell, Kabel und Unterlagen sammeln sich, und der Überblick geht verloren», sagt die Fachfrau. Regale wie das faltbare System von Rebar (10), Sideboards von USM-Haller mit Schubladenboxen oder der praktische Raumtrenner «Pfister» von Kjell Larsson (9) schaffen Struktur und machen alles griffbereit. «Wer gut organisiert ist, arbeitet entspannter und effizienter.»

Die Hersteller reagieren längst auf den anhaltenden Homeoffice-Boom und bringen regelmässig neue Produkte und Farben auf den Markt. Gerade beim Thema Licht ist die Auswahl gross: Die AJ-Tischleuchte von Louis Poulsen (4) gibt es inzwischen in vielseitigen Farbtönen von Eclectic Orange bis zu Soft Lemon. Zu den Klassikern gehören die Lune-Tischleuchte von Brdr. Krüger (8), die Tolomeo von Artemide oder die Fortebraccio-Tischleuchte. Für Fans moderner Lichttechnologie ist John von GRAU eine ausgezeichnete Wahl – ergonomisch, ästhetisch und mit anpassbarer Lichtfarbe (Color Tune). Wer flexible Stehleuchten sucht, findet in Fez (5) und Topoled von Baltensweiler zwei hochwertige Optionen. Sie funktionieren im Arbeitsbereich ebenso wie im Wohnzimmer.

Trotz vieler Vorteile gibt es im Homeoffice klare No-Gos. Arbeiten im Bett gehört dazu – auch wenn Möbel wie der Tableone-Laptoptisch von Jungholz dazu verleiten. Generell ist das Schlafzimmer kein idealer Arbeitsort. Wer beim Einschlafen die Pendenzen im Blickfeld hat, kommt kaum zur Ruhe. Raumtrenner, Regale oder Vorhänge können Bereiche elegant abgrenzen. Oder man entscheidet sich für ein Möbel, in dem das Büro abends verschwindet. Die Schreibkommode K26 von Trix und Robert Haussmann für Roethlisberger (7) ist so eines. Auch der Faltvorhang-Schrank von Thut bietet eine schlichte, funktionale Lösung: morgens geöffnet, abends diskret verstaut.

Bei allem Komfort bleibt die Gefahr, dass man im Homeoffice praktisch rund um die Uhr arbeitet. Umso wichtiger sind Routinen. Das heisst: morgens zur gleichen Zeit aufstehen, sich ankleiden – im Pyjama arbeitet man selten gut – und den Tag mit einer strukturierten To-do-Liste planen – Pausen inklusive. Am besten setzt man dies gleich von Anfang an um. Denn das Homeoffice wird bleiben, während sich das Büro zu einem Ort der Kollaboration und des Austauschs wandelt.