Garten

Mohn: Seidige Schönheit

Mohn verzaubert Gärten mit leuchtender Farbenpracht.

Scheinbar über Nacht erheben sich die prallen, borstigen Knospen gegen den Himmel und geben knittrige Blütenblätter preis, die trotz ihrer seidenzarten Anmut eine ungeheure Farbenpracht zur Schau stellen. Wenn der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas) die Äcker, Felder und Wiesen mit seinem leuchtenden Rot ziert, ist es wieder so weit: Der Sommer naht! Beinahe ebenso bekannt wie der wilde Mohn ist sein Verwandter, der einjährige Schlaf-Mohn (P. somniferum). Er zählt zu den ältesten Kulturpflanzen Europas und stammt ursprünglich aus Vorderasien. Um ihn ranken sich zahlreiche Sagen und Mythen, und mit seinen Tausenden Samenkörnern gilt er als Pflanze der Fruchtbarkeit und des Reichtums. Bekannt wurde er nicht nur als nahrhafter Backmohn, sondern auch als Heil- und Rauschmittel, denn aus dem Milchsaft lässt sich Opium gewinnen. In Deutschland dürfen, nach schriftlicher Genehmigung durch die Bundesopiumstelle, nur die morphinarmen Sommermohnsorten ‘Mieszko’ und ‘Viola’ sowie die Wintersorte ‘Zeno Morphex’ angebaut werden. In der Schweiz ist der Anbau grundsätzlich erlaubt, die Pflanze darf nur nicht als Betäubungsmittel genutzt oder vertrieben werden. Aber auch darüber hinaus gibt es eine grosse Auswahl an ein- und mehrjährigen Mohnarten, mit denen Sie die beeindruckende Farbwirkung im eigenen Garten bewundern können.

Bunte Vielfalt an Sorten und Arten

Neben dem einjährigen Klatsch-Mohn (P. rhoeas), der im März und April im Freiland ausgesät werden kann, gibt es zahlreiche Staudenmohnsorten. Eine besonders schöne und auffällige Zierde im Garten ist der Türkische Mohn (P. orientale), der von Mai bis Juni in vielen Farben und Formen erblüht und bis zu 1 m hoch werden kann. Mit seinem intensiven Rot und einem Blütendurchmesser von bis zu 20 cm ist dieser Mohn an Leuchtkraft kaum zu überbieten. Eine Besonderheit ist die orangerot leuchtende Züchtung ‘Türkenlouis’ mit gefransten Rändern, aber auch die sanft gefalteten Blüten von ‘Karine’ in zartem Rosa oder die zerknitterten Blütenblätter der Sorte ‘Marlene’ mit ihrem tiefen Burgunderrot setzen reizvolle Akzente im Beet. Die englische Züchtung ‘Perry’s White’ blüht in dezentem Weiss mit schwarzen Flecken am Blütengrund und die Sorte ‘Patty’s Plum’ in ungewöhnlichem Purpurviolett. Klatsch-Mohn und seine Zuchtform, der Seiden-Mohn (P. rhoeas), sät man direkt an Ort und Stelle aus. Wie der Türkische Mohn bzw. Staudenmohn wird er sich in den nächsten Jahren freudig selbst vermehren, wenn man ihn lässt. Dabei darf man auf neue Farb- und Formenvarianten gespannt sein: Sortenrein vermehren lässt sich der Türkische Mohn nur über Wurzelschnittlinge. Der zwei- und mehrjährige Island-Mohn (P. nudicaule) blüht von Mai bis September in zahlreichen Weiss- und Gelbnuancen bis hin zu Rot- und Orangetönen. Als halbhoher Mohn eignet er sich besonders für den Beetrand oder Steingärten. Noch kleiner wächst der Alpen-Mohn (P. alpinum): Er blüht von Juni bis August in Weiss, Gelb und sonnigem Orange. 

Schweizer Garten (Text: Christiane Nönnig)

Schweizer Garten

Als HEV-Mitglied erhalten Sie 30 % Rabatt auf das Jahresabo der Zeitschrift Schweizer Garten. Weitere Infos: hev-schweiz.ch/verguenstigungen