Zeitgemässer Holzschutz

Gut geschützt dank historischer Vorbilder

Wie bleibt eine Holzfassade auch nach Jahrzehnten schön und dauerhaft geschützt? Zwei neue Wohnhäuser im appenzellischen Teufen zeigen, wie es gehen kann.

von Jutta Glanzmann Gut

Verantwortliche Fachkommunikation, Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

Die Gemeinde Teufen liegt in Appenzell Ausserrhoden, in knapp 20 Minuten erreicht man mit den Appenzeller Bahnen die Stadt St. Gallen. Ein gut erhaltener Dorfkern mit traditioneller Bauweise und die sanfte Hügellandschaft des Appenzellerlandes prägen den Ort. Dabei nutzen die Gebäude geschickt die vorhandene Topografie. Wohn- und Wirtschaftsteil liegen in der Regel unter einem Dach, bleiben aber klar ablesbar. Es gibt minimale Erschliessungsflächen und eine zurückhaltende Aussenraumgestaltung. Davon liessen sich BDE Architekten für den Entwurf der beiden Wohnhäuser an der Engelgasse inspirieren. Diese liegen am Rand der Kernzone des Ortes und bilden als Übergang zur Landschaft ein Ensemble mit bezahlbarem Wohnraum für acht Haushalte.

Während das Mehrfamilienhaus mit seiner weitgehend in Fensterreihen aufgelösten Hauptfront das charakteristische Bild des traditionellen «Appenzellerhauses» aufnimmt, bezieht sich das Reihenhaus mit dem First parallel zum Hang und dem flach geneigten Dach auf die Merkmale und Proportionen des historischen «Heidenhauses», wobei dem heutigen Bedürfnis nach privatem Aussenraum mit der Laubenzone unter dem Vordach entsprochen wird. Diese wird von den typischen Wetterseiten räumlich gefasst. Auf den ersten Blick wirken die Häuser, die beide ab der Bodenplatte ausschliesslich in Holz konstruiert sind, als hätten sie schon immer hier gestanden. Das Mehrfamilienhaus verfügt über sichtbare Balkenlagen im Inneren und in den seitlichen Lauben. Diese sind auf massive Holzstützen abgestellt. Deren Ausbildung mit Basis und Kapitell zitiert klassizistisches Formengut – Stilmittel, welche als Abgrenzung von Bürger- und Fabrikantenhäusern zu einfachen Bauernhäusern schon im 18. Jahrhundert verbreitet waren.

Bewährte Prinzipien

Wer historische Bauernhäuser oder Ortsbilder im Appenzellerland betrachtet, entdeckt schnell, weshalb viele dieser Gebäude seit Generationen Wind und Wetter trotzen. Ihr Geheimnis liegt zunächst einmal in einer intelligenten Planung. «Der konstruktive Holzschutz spielt für uns bei jedem Entwurf eine wichtige Rolle», sagt Philipp Brunnschweiler, Partner bei BDE Architekten, «so gehört ein gutes Vordach nach wie vor zu den wirksamsten Massnahmen.» Diese Erkenntnis prägt auch die beiden Neubauten. Grosszügige Dachüberstände halten die Fassaden trocken. Beim Appenzellerhaus übernehmen zusätzlich horizontale Elemente wie die «Abwürfe» über den Fenstern und der sogenannte «Chatzesteg» die Aufgabe, Regenwasser gezielt abzuleiten. Gleichzeitig verleihen sie der Fassade ihre charakteristische Tiefenwirkung.

Zu den wichtigsten Massnahmen des konstruktiven Holzschutzes gehören neben Dachüberständen und Vordächern auch Gesimse, Tropfkanten, hinterlüftete Fassaden oder schützende Schindelbekleidungen. Sie sorgen dafür, dass Wasser gar nicht erst in kritische Bereiche gelangt oder möglichst rasch wieder abtrocknen kann. Denn im Holzbau gilt ein einfacher Grundsatz: Holz sollte möglichst trocken bleiben – oder nach einer Befeuchtung schnell wieder austrocknen können. Erst dauerhaft feuchtes Holz bietet Pilzen oder holzzerstörenden Insekten ideale Lebensbedingungen. Deshalb richten Fachleute ihr Augenmerk besonders auf jene Bereiche, in denen Wasser stehen bleiben könnte. Besonders empfindlich ist das sogenannte Stirnholz – also die Schnittfläche quer zur Faser. Hier nimmt Holz Feuchtigkeit deutlich schneller auf als über die Längsseiten. Entsprechend wichtig sind Tropfnasen, genügend Bodenabstand, funktionierende Hinterlüftungen, saubere Wasserabläufe sowie sorgfältig geplante Anschlüsse bei Fenstern, Balkonen oder Terrassen. Auch schlank dimensionierte, gut belüftete Bauteile trocknen schneller aus und bleiben langfristig robuster.

Oberflächenbehandlung als Ergänzung

Holzschutz wird häufig mit Anstrichen gleichgesetzt. Diese leisten zwar auch einen Beitrag zum Witterungsschutz. Entscheidend bleiben jedoch Konstruktion und Detailplanung. «Die Behandlung der Oberflächen stand beim Projekt in Teufen trotzdem im Vordergrund», erklärt Philipp Brunnschweiler, «denn der konstruktive Holzschutz war mit dem Bezug auf die historischen Vorbilder quasi gegeben.» Zudem wollte die Bauherrschaft nicht, dass unbehandeltes Holz eingesetzt wird. Das feingliedrige Fassadenbild mit Bandfenstern und Fronttäfer des «Appenzellerhauses» ergänzen Lisenen und Rautenmuster – Zierformen, die der Steinarchitektur entlehnt sind. «Diese Fassaden waren früher bemalt», so der Architekt, «wir haben dies in einer zeitgemässen, abstrakten Form von aufgemalten Rhomboiden übernommen.» Weil in Teufen viele historische Gebäude weiss gestrichen sind, erhielt das «Appenzellerhaus» einen hellen, deckenden Ölfarbanstrich in Kombination mit Grau- und Grüntönen für ausgewählte Bereiche. Die Schindelfassade auf drei Seiten wurde ebenso gestrichen wie die seitlichen Holzstützen. Für die kassettierte Südfassade kam bewusst Massivholz zum Einsatz. «Uns war wichtig, dort keine Dreischichtplatten zu verwenden», so Brunnschweiler. Das Heidenhaus verfolgt dagegen einen anderen Ausdruck. Die sägerohe Fichtenschalung erhielt eine Vorvergrauungslasur, während andere Teile wie Stützen und Vordach mit einer Farblasur in einem hellen Grünton behandelt wurden. Die historischen Farbwelten wurden nicht einfach kopiert, sondern sorgfältig auf die Architektur abgestimmt. Die Wahl der Beschichtungen erfolgte gemeinsam mit dem Holzbauer und einem erfahrenen Maler. Deren praktische Erfahrung floss ebenso in die Entscheidung ein wie gestalterische Überlegungen.

Unterhalt sorgt für Langlebigkeit

Die Bauherrschaft der beiden Häuser wusste, worauf sie sich einlässt. Denn sie besitzt weitere denkmalgeschützte Gebäude in Teufen und kennt den regelmässigen Unterhalt von Holzfassaden. «Holz braucht Aufmerksamkeit», weiss Philipp Brunnschweiler, «aber wenn man die Konstruktion richtig plant und einzelne Bereiche im Auge behält, bleibt der Aufwand überschaubar.» Deshalb wurden gewisse Details wie beispielsweise der Übergang zwischen Boden und Holzstützen in der Laube des «Appenzellerhauses» bewusst zugänglich gestaltet. Und das Geländer beim «Heidenhaus» ist so konstruiert, dass kein Wasser liegen bleibt und sich einzelne Elemente bei Bedarf unkompliziert austauschen lassen.

Auch Holzbauten benötigen also einen gewissen Unterhalt. Wobei die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Gut geplante Holzbauten funktionieren dauerhaft und mit vergleichsweise geringem Unterhaltsaufwand. Für Bauherrschaften bedeutet dies vor allem eines: Regelmässige Kontrollen sind besser als aufwendige Sanierungen. Dazu gehören das Sauberhalten der Wasserabläufe, das Entfernen von Erde und Bewuchs im Sockelbereich, das Offenhalten der Hinterlüftungen sowie die periodische Kontrolle von Anschlüssen und Dichtungen.

 

Projektdaten

Architektur und Bauleitung: Architektur BDE Architekten BSA SIA, Winterthur

 

Bauherrschaft: Tischhauser Immobilien AG, Bühler AR

 

Holzbauingenieur: Christian Keiser Lignitec, Gossau SG (Ausführungsplanung)

 

Holzbau: Appenzeller Holzbau GmbH, Appenzell (Konstruktion); Weissküferei & Drechslerei Mösli, Gais (Säulen aus Eiche)

 

Allgemeine Schreinerarbeiten: Schreinerei Widmer Bühler AG, Bühler AR

Publikationen

Das Lignatec 35 / 2023 «Holzschutz im Bauwesen» basiert auf den geltenden SIA-Normen und spiegelt damit den aktuellen Stand des Wissens für Baufachleute.

 

Das gleichnamige 2026 erschienene Compact bietet eine Übersicht zum Thema Holzschutz.

 

Die beiden Publikationen sind kostenpflichtig bei Lignum erhältlich: lignum.ch/shop/lignatec resp. lignum.ch/shop/broschueren

 

Infos zu Holz

Unter Tel. 044 267 47 83 oder hotline@lignum.ch gibt es bei Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, von Montag bis Donnerstag jeweils morgens von 8–12 Uhr kostenlos Auskunft zu allen Fragen rund um Holz. lignum.ch