Der Schweizerische Hauseigentümer: Frau Boegeholz, die Küche entwickelt sich stetig weiter. Welche Trends prägen die Produktentwicklung derzeit am stärksten?
Kim Boegeholz: In den letzten Jahren beobachten wir zunehmend unterschiedliche Ess- und Kochgewohnheiten. Take-away- und Home-Delivery-Angebote wachsen stetig, ebenso das Angebot an Convenience-Produkten. Gleichzeitig legen viele Menschen Wert auf frisches, selbst zubereitetes Essen. Die moderne Küche muss deshalb unterschiedlichste Bedürfnisse erfüllen. Moderne Küchengeräte bieten heute Funktionen und eine Präzision, die früher fast ausschliesslich der Profi-Gastronomie vorbehalten waren. Ambitionierte Hobbyköche können damit ihre kulinarischen Fähigkeiten voll ent-falten. Die gleichen Technologien helfen aber auch Menschen, die wenig Zeit oder Kocherfahrung haben, da sie einfach zu bedienen sind und zuverlässig gute Ergebnisse liefern.
Vernetzte Küchengeräte und intelligente Funktionen sind in aller Munde. Welche Innovationen bieten aus Ihrer Sicht einen echten Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer, und welche werden überschätzt?
Der grösste Nutzen intelligenter Technologien liegt darin, Energie effizienter zu nutzen, den Komfort zu erhöhen und bessere Kochergebnisse zu ermöglichen. Intelligente Funktionen erleichtern das Gelingen von Gerichten und sorgen – auch ohne grosse Kocherfahrung – für zuverlässig gute Ergebnisse. Zusätzlichen Mehrwert bieten vernetzte Geräte, die mit Rezeptesammlungen verknüpft sind und die passenden Geräteeinstellungen automatisch übernehmen. Auch Wartungs- und Reinigungshinweise über Smartphone-Apps helfen dabei, Geräte optimal zu nutzen und ihre Lebensdauer zu verlängern.
Kritischer sehe ich Funktionen, die technisch beeindrucken, im Alltag aber kaum genutzt werden. Nicht jede smarte Funktion schafft automatisch einen Mehrwert. Solche, die weder Zeit, Energie oder Aufwand sparen noch das Ergebnis verbessern, werden sich langfristig kaum durchsetzen.
Wer heute ein neues Kochfeld kauft, hat die Wahl zwischen zahlreichen Funktionen und Ausstattungsvarianten. Welche Aspekte sollten Wohneigentümer besonders im Blick haben?
An erster Stelle stehen die individuellen Bedürfnisse des Haushalts. Wer häufig kocht, sollte auf eine präzise Temperatursteuerung, ausreichend Kochzonen sowie eine einfache Reinigung achten. Dank ihrer zahlreichen Vorteile hat sich die Induktion heute als Standard etabliert. Sie arbeitet sehr effizient, reagiert schnell, bietet ein hohes Mass an Sicherheit und sorgt dafür, dass Verschmutzungen weniger stark einbrennen, da sich die Kochfeldoberfläche deutlich weniger stark erhitzt als bei Strahlheizkörpern. Das erleichtert die Reinigung im Alltag und trägt dazu bei, dass das Kochfeld länger wie neu aussieht.
Auch die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche ist mit Blick auf die langfristige Werterhaltung ein wichtiges Kriterium. Hierfür wurden Glaskeramiken mit einer leicht strukturierten Oberfläche entwickelt, die deutlich kratzresistenter und gleichzeitig weniger anfällig für Fingerabdrücke sind.
Daneben spielt die Einbindung des Kochfelds in das architektonische Küchenbild eine immer wichtigere Rolle. Flächenbündige Lösungen ohne Rahmen integrieren sich harmonisch in die Arbeitsfläche. Glaskeramiken in mattem Design wirken besonders ruhig und fügen sich nahtlos in moderne Küchenkonzepte ein. Zunehmend gefragt sind zudem Kochfelder mit integriertem Dunstabzug. Gerade bei Kochinseln bieten sie den Vorteil, dass keine Dunstabzugshaube den Blick durch den Raum beeinträchtigt. Darüber hinaus muss zwischen Abluft- und Umluftsystemen unterschieden werden. Abluftsysteme führen Kochdünste nach aussen ab. Umluftsysteme reinigen die Luft über Filter und führen sie wieder in den Raum zurück. Sie eignen sich besonders dort, wo eine Abluftführung baulich schwierig oder nicht erlaubt ist.
Welche Entwicklung wird die Küche in den nächsten zehn Jahren am stärksten prägen?
Küchen werden sich räumlich, funktional und ästhetisch noch stärker an die Bedürfnisse und Lebensstile ihrer Nutzerinnen und Nutzer anpassen. Gleichzeitig werden die Übergänge zwischen Geräten und Oberflächen zunehmend fliessend. Es gibt bereits heute erste Kochfeld-Modelle, bei denen die Induktionsspulen unterhalb der Arbeitsfäche integriert sind. Die Zukunft liegt in der Entwicklung solcher multifunktionalen Flächen, die sich je nach Bedarf zum Kochen, für den Betrieb kleiner Elektrogeräte oder auch zum kabellosen Laden mobiler Geräte nutzen lassen.
Das Interview führte Tamara Lustenberger, Redaktorin beim HEV Schweiz
«Die Zukunft liegt in multifunktionalen Kochflächen.»












