Garten und Holz

Ein zweites Leben für Holz

Holz ist viel zu wertvoll zum Wegwerfen. Mit etwas Kreativität erhält es im Garten ein zweites Leben – als Werkstoff, Möbel oder Lebensraum.

von Judith Supper

Journalistin

Das Haus ist gebaut, der Garten angelegt – jetzt fehlen noch die Gartenmöbel. Im Katalog oder auf Social Media sieht die Sache mit Stuhl, Tisch und persönlichem Stil ganz einfach aus. Aber wenn es ans tatsächliche Umsetzen geht, stossen Gartenneulinge rasch an ihre Grenzen.

Knackpunkt ist häufig das verfügbare Budget. Dabei muss nicht alles, was auf Fotos begehrenswert erscheint, neu gekauft werden.

Warum nicht erst schauen, was vorhanden ist? Beim Umbau eines Gartens fallen zahlreiche Materialien an: Ein Holzdeck wird ersetzt, ein Schuppen abgerissen, ein Gehweg neu gepflastert oder ein Baum gefällt. Vieles davon kann weiterverwendet werden.

Was vor einigen Jahren vor allem unter dem Schlagwort «Upcycling» lief, wird heute zunehmend als Teil der Kreislaufwirtschaft verstanden: Materialien sollen möglichst lange genutzt und Bauteile wiederverwendet werden, bevor sie entsorgt oder stofflich verwertet werden.

Gartenbar aus Holzkisten

Als nachwachsender Rohstoff spielt Holz dabei eine besondere Rolle. Es hat eine warme Ausstrahlung, lässt sich vergleichsweise einfach bearbeiten und bietet zahlreiche Möglichkeiten für eine zweite Nutzung.

Möbel aus Paletten haben schon vor vielen Jahren ihren Siegeszug durch die Gärten angetreten – manche Gärtnerin, mancher Gärtner dürfte sich inzwischen daran sattgesehen haben.

Obst- und Weinkisten sind die filigranere Variante und können als Aufbewahrungsort für Gartenwerkzeug, Pflanzgefässe oder als kleine Regale dienen.

Rücken an Rücken aneinandergestellt, entsteht daraus ein Couchtisch; mit etwas mehr handwerklichem Geschick sogar eine Gartenbar. Allerdings gilt gerade bei gebrauchten Materialien: Vor der Weiterverwendung sollte geklärt werden, woher das Holz stammt und ob es früher behandelt wurde.

Druckimprägniertes oder mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz eignet sich nicht bedenkenlos für eine neue Verwendung.

Vom Baumstamm zur Sitzbank

Wurden im Garten Fällarbeiten ausgeführt, bergen auch Stammstücke Potenzial für eine weitere Nutzung. Aus ihnen lassen sich Sitzgelegenheiten, Einfassungen oder – mit entsprechendem handwerklichem Können – ganze Bänke fertigen. Auch Treib- und Schwemmholz hat mit seinen ausgewaschenen Oberflächen und individuellen Formen einen besonderen Reiz. Daraus entstehen Skulpturen, Dekorationen und mit einigem Geschick auch Möbel.

Bei grösseren Konstruktionen braucht es allerdings Geduld, bis geeignete Stücke gefunden sind, die sich stabil miteinander verbinden lassen. Zudem sollte man Schwemmholz nicht wahllos aus Gewässer- und Uferbereichen entfernen, denn als Lebensraum ist es ein wichtiger Bestandteil natürlicher Gewässerstrukturen.

Aus Sicht der Tierwelt sind markhaltige Pflanzenstängel, zum Beispiel von Himbeere, Brombeere, Holunder oder Königskerze, besonders interessant. Viele Wildbienen und Solitärwespen benötigen sie als Nistplätze.

Senkrecht an einem sonnigen Plätzchen im Garten platziert, werden sie im Nu besiedelt. Ähnlich wichtig sind Lebensraumtürme.

Sie schaffen auf kleiner Grundfläche «verdichteten» Wohnraum für verschiedene Tierarten. Dabei kommen unterschiedlichste Materialien zum Einsatz – von Altholz, Rinde und Ästen bis zu Hobelspänen oder Holzwolle. Sie bieten Nistplätze, Verstecke und Unterschlupf.

Weiterbauen mit vorhandenem Material

Oft braucht es nicht viel, um aus Balken eine Bank, einen Tisch oder ein Hochbeet mit Stauraum anzufertigen. Auch eine alte Holztür kann – sofern Material und Zustand geeignet sind – zur Tischplatte werden.

Schon ein Holzbalken auf zwei stabilen Auflagen kann als einfache Sitzbank dienen.

Spannend wird es, wenn unterschiedliche Materialien aus dem Rückbau kombiniert werden. Holz lässt sich z. B. mit vorhandenen Stahl- oder Betonelementen verbinden.

Dabei zählt nicht nur die Optik. Konstruktionen müssen stabil sein – und das Holz so verbaut werden, dass Wasser ablaufen und es nach Niederschlägen rasch wieder abtrocknen kann.

Wer auf dem eigenen Grundstück nicht fündig wird, findet auf Online-Marktplätzen und in Bauteilbörsen gebrauchte Balken, Bretter, Türen und andere Bauteile.

Damit verschiebt sich auch der Blick auf das Material: Nicht die makellose Oberfläche ist entscheidend. Gebrauchsspuren, Verfärbungen und alte Bearbeitungsspuren dürfen sichtbar bleiben – sie erzählen von der früheren Nutzung und geben dem Element erst so richtig Charakter.

Dauerhaftigkeit beginnt bei der Konstruktion

Wind, Sonne und Regen setzen Holz im Freien zu. Bei wiederverwendetem Material kommen Gebrauchsspuren und mitunter unbekannte Vorbehandlungen hinzu. Vor einer erneuten Nutzung sollte das Holz deshalb sorgfältig geprüft, gereinigt und, falls nötig, angeschliffen werden. Holzsplitter und schadhafte Stellen müssen entfernt werden.

Entscheidend für eine lange Lebensdauer ist jedoch der konstruktive Holzschutz. Das heisst: Wasser muss ablaufen können, Schnittflächen und Verbindungen sollten nicht unnötig der Witterung ausgesetzt sein.

Direkter Erdkontakt ist – abhängig von Holzart und Konstruktion – möglichst zu vermeiden. Allerdings: Wer Holzbalken als Beeteinfassung nutzt, nimmt bewusst eine begrenzte Lebensdauer in Kauf.

Auch das gehört zum Garten als lebendigem Kreislauf, in dem Dinge eine Zeitlang Bestand haben und schliesslich Teil des Werdens und Vergehens werden.

Jedes Stück erzählt eine Geschichte

Balken, Bretter und andere Bauteile haben bereits einen ersten Lebenszyklus hinter sich. Sie speichern weiterhin Kohlenstoff und benötigen für ihre erneute Nutzung vergleichsweise wenig zusätzliche Energie.

Aus dem einstigen DIY-Trend ist damit längst mehr geworden: die Idee, vorhandene Materialien als Ressource zu betrachten.

Und vielleicht liegt gerade darin ihr besonderer Reiz. Wiederverwendetes Holz muss nicht perfekt aussehen. Seine Kerben, Verfärbungen und Maserungen erzählen davon, dass es schon einmal Teil von etwas anderem war – bevor daraus ein Tisch, eine Bank wurde.