Brandschutz

«Alarmieren, retten, löschen»

In der Schweiz ereignen sich pro Jahr rund 11 000 Brände in Gebäuden. Wie diese zu vermeiden sind, und was im Ernstfall zu tun ist, erklärt Daniel Röösli, Bereichsleiter Beratungsstelle für Brandverhütung BFB.

Der Schweizerische Hauseigentümer: Herr Röösli, wo entstehen in Wohnhäusern statistisch am häufigsten Brände, und welche Ursachen stehen dabei im Vordergrund?

Daniel Röösli: Rückblickend auf die letzten 20 Jahre waren drei Ursachen für rund drei Viertel aller Brandfälle verantwortlich: Blitzschlag, Elektrizität und offenes Feuer, verursacht z. B. durch Rauchzeug (z. B. Zigaretten), Kerzen oder Feuerarbeiten.

Welche typischen Fehler macht man im Alltag, die das Brandrisiko unbewusst erhöhen?
Viele Brände sind auf unsere Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit zurückzuführen. Hier ein paar Beispiele: Eine heisse Bratpfanne wird auf der Herdplatte vergessen, Kerzen werden beim Verlassen des Raums nicht gelöscht, heisse Asche vom Cheminée oder Grill wird in den Kehricht geworfen, oder ein defekter Akku wird weiterhin verwendet. Solche Brände wären leicht zu vermeiden. Wir müssen uns der verschiedenen Risiken bewusst sein und entsprechend handeln.

Inwiefern tragen moderne Baumaterialien, Dämmstoffe oder Einrichtungstrends zur Brandlast in Wohngebäuden bei? Gibt es z. B. beim Sofa oder anderen Wohntextilien Materialien, die feuerresistenter sind als andere?
Baumaterialien, Dämmstoffe und Einrichtungstrends haben einen spürbaren Einfluss auf die Brandlast in Wohngebäuden. Dabei wirken sich nicht alle Entwicklungen gleich aus: Einige erhöhen das Brandrisiko, andere verbessern den Brandschutz deutlich. Besonders synthetische Dämmstoffe und Möbelpolster ohne brandhemmende Zusatzstoffe beschleunigen Brandverlauf und Rauchentwicklung. Wolle und Leder geraten eher weniger schnell in Brand als gleich dünne Kunststoffe. Mineralische Baustoffe tragen in der Regel nicht zur Brandlast bei.

Welche Brandrisiken gehen von E-Scootern und Elektro-Fahrrädern – insbesondere durch deren Lithium-Ionen-Akkus – aus, und welche Empfehlungen geben Sie für das sichere Abstellen und Laden dieser Fahrzeuge in Wohnhäusern und gemeinschaftlichen Bereichen?
Da Akkus einen hohen Energiegehalt haben, bergen sie ein deutlich höheres Gefahrenpotenzial als herkömmliche Batterien. Neben den allgemein gültigen Verhaltensregeln für Akkus sind in Bezug auf E-Scooter oder Elektro-Fahrräder folgende Verhaltensweisen wichtig:

Lagern und laden Sie die Akkus bei Kälte nicht in ungeheizten Räumen wie zum Beispiel der Garage oder dem Gartenhaus. Nutzen Sie dafür einen beheizten Raum.

Entfernen Sie den Akku, wenn Sie das E-Bike mit dem Auto transportieren. So schützen Sie ihn vor Beschädigungen.

Überprüfen Sie regelmässig – vor allem nach Stürzen – ob der Akku beschädigt ist. Mechanische Beschädigungen könnten zu inneren Kurzschlüssen führen. Fragen Sie bei Unsicherheit eine Fachperson.

Wichtig ist, dass die Akkus nicht in Fluchtwegen, beispielsweise im Flur, bei der Wohnungstür oder im Treppenhaus geladen werden.

Wie gross ist die Brandgefahr durch elektrische Anlagen und Geräte in Bestandsimmobilien, insbesondere bei älteren Gebäuden?
Elektrizität stellt in Bestands- und insbesondere in Altbauten eine der grössten Brandgefahren dar. Ursachen sind Defekte, Alterung, Überlastung und menschliche Nachlässigkeit. Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) empfiehlt deshalb die nachträgliche Installation von Fehlerstrom-Schutzschaltern (FI-Schaltern). Zudem sollten die elektrischen Installationen in regelmässigen Abständen von einer Fachperson überprüft und gegebenenfalls erneuert werden.

Worauf gilt es beim täglichen Gebrauch von Kabeln zu achten? Z. B. beim Gebrauch von Verlängerungskabeln bei einem Raclette-Plausch?
Wie bei allen anderen elektrischen Geräten auch, sollte man darauf achten, dass die Kabel des Raclette-Ofens nicht geknickt, eingeklemmt oder gequetscht werden. Zudem sollten elektrische Kabel regelmässig auf Verschleisserscheinungen überprüft werden. Defekte oder sehr alte Geräte, Verlängerungskabel oder Mehrfachstecker müssen ersetzt werden.

Was empfehlen Sie Eigentümern konkret, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten – etwa in Bezug auf Fluchtwege?
Bei Bränden werden Hauseingänge und Treppenhäuser für die Bewohner zu Fluchtwegen. Für Feuerwehr, Sanität und Polizei sind sie wiederum Rettungswege. Hauseingänge, Treppenhäuser, Zwischenpodeste, Stauräume unter Treppen, Korridore und Vorplätze müssen jederzeit frei und sicher begehbar sein. Gegenstände wie Kinderwagen, Fahrräder, Möbel, Garderoben aber auch Altpapier oder Brennholz gehören nicht ins Treppenhaus. Die Durchgangsbreite darf nicht eingeschränkt werden und muss mindestens 1,20 Meter betragen.

Welche Löschmittel sollte man zu Hause haben: Feuerlöscher, Löschdecke etc.?
Eine Pflicht zur Bereitstellung von Feuerlöschern in Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern besteht in der Schweiz nicht. Die BFB empfiehlt jedoch, eine Löschdecke und einen Feuerlöscher bereitzuhalten sowie Rauchmelder zu montieren. Die Löschgeräte sollten griffbereit und gut zugänglich platziert werden. Zudem sollte man sich über die Verwendung der Löschmittel informieren.

Statistiken zeigen, dass bei einem Brand die meisten Opfer an Rauchvergiftung sterben. Welche Rolle spielen Rauchmelder bei der Prävention?
Die grösste Gefahr für Menschen geht nicht vom Feuer selbst, sondern vom Rauch aus. Innerhalb weniger Minuten können Räume vollständig mit Rauch gefüllt sein. Bereits wenige Atemzüge können zur Bewusstlosigkeit führen. Ein Rauchmelder kann Schlafende rechtzeitig wecken, Leben retten und hohe Sachschäden verhindern. Deshalb empfehlen wir, Rauchmelder zentral in der Wohnung sowie in allen Schlafzimmern zu installieren.

Welche Brandschutzmassnahmen lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand und tiefen Kosten umsetzen, haben aber eine grosse Wirkung?
Niemand kann Brände besser verhüten als wir selbst. Wenn wir uns der Risiken bewusst sind und entsprechend handeln, können viele Brände ganz einfach und kostenlos vermieden werden. Eine Kerze zu löschen, bevor man den Raum verlässt, kostet nichts. Und wenn es doch einmal brennt, können ein Rauchmelder, eine Löschdecke oder ein Feuerlöscher den entscheidenden Unterschied machen.

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich im Stockwerkeigentum durch gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Treppenhäuser, Tiefgaragen oder Technikräume im Hinblick auf den Brandschutz?
Eigentümer und Nutzer von Gebäuden und Anlagen tragen die Eigenverantwortung, die Brandschutzvorschriften einzuhalten. Dies betrifft auch Stockwerkeigentümer sowie die von ihnen beauftragten Verwaltungen oder Hauswarte. Sie müssen sicherstellen, dass die Sicherheit im Haus jederzeit gewährleistet ist.

Wenn es doch zum Ernstfall kommt: Was sind die allerersten Schritte, die Bewohner unternehmen sollten, sobald sie Rauch oder Feuer in der eigenen Wohnung oder im Gebäude bemerken?
Im Brandfall gilt immer die folgende Regel: Alarmieren – Retten – Löschen. Als Erstes muss immer die Feuerwehr unter der Nummer 118 alarmiert werden. Danach kann man versuchen, Mitmenschen und Tiere zu retten. Erst am Schluss sollte man versuchen, kleine Brände zu löschen. Dabei darf man sich aber nie selbst in Gefahr bringen.

Wie sollten sich Bewohner verhalten, wenn Fluchtwege wie Treppenhaus oder Korridore bereits verraucht oder versperrt sind?
Wenn Treppen oder Korridore verraucht sind, bleiben Sie in der Wohnung. Schliessen Sie so viele Türen wie möglich zwischen sich und dem Feuer. Rufen Sie die Feuerwehr, und teilen Sie Ihren genauen Standort innerhalb des Gebäudes mit. Brandrauch ist gefährlicher als Feuer. Versuchen Sie daher, die Tür mit nassen Tüchern abzudichten und Öffnungen von Ventilatoren oder Lüftungsgittern zu verstopfen. Gehen Sie ans Fenster oder auf den Balkon, und machen Sie durch lautes Rufen, eine Lampe oder ein Tuch auf sich aufmerksam. Halten Sie das Fenster oder die Balkontür so weit wie möglich geschlossen.

Welche typischen Fehlreaktionen beobachten Sie im Ernstfall immer wieder – und warum können diese lebensgefährlich sein?
Oft wird die Gefahr nicht schnell genug erkannt. Denn auch ein kleiner Brand kann sich sehr schnell ausbreiten und ausser Kontrolle geraten. Es ist daher wichtig, nach dem Prinzip «alarmieren-retten-löschen» schnell und überlegt zu handeln.

Wann ist der Einsatz eines Feuerlöschers sinnvoll, und ab welchem Punkt sollte man unbedingt auf Selbstlöschversuche verzichten?
Schätzen Sie rasch ein, ob Sie das Feuer selbst löschen können, ohne sich dabei in Gefahr zu bringen. Sie können den Feuerlöscher einsetzen, wenn der Brand klein ist und auf einen bestimmten Bereich begrenzt bleibt. Ausserdem müssen Sie einen sicheren Fluchtweg haben, für den Fall, dass sich das Feuer nicht löschen lässt.

Oft wird die Feuerwehr allerdings erst nach einem fehlgeschlagenen Löschversuch alarmiert, wodurch wertvolle Zeit verloren geht. Wählen Sie daher lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Notruf!

Wie können sich Familien, ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität im Vorfeld auf einen Brand vorbereiten, um im Ernstfall richtig zu handeln?
Aufgrund körperlicher Einschränkungen oder verminderter Sinneswahrnehmungen sind die genannten Personenkreise bei Bränden einem höheren Risiko ausgesetzt. Ihre Fähigkeit, sich selbst zu retten, ist oftmals eingeschränkt. Daher ist die Brandverhütung für sie besonders wichtig. Sie müssen sich der Risiken bewusst sein und sich entsprechend vorbereiten, beispielsweise indem sie Rauchmelder installieren, die Notrufnummern im Handy abspeichern, Stolperfallen entfernen oder Hausschlüssel bereitlegen.

«Als Erstes muss immer die Feuerwehr unter der Nummer 118 gerufen werden.»

Daniel Röösli, Bereichsleiter BFB

Das Interview führte Tamara Lustenberger, Redaktorin beim HEV Schweiz

Brandverhütungs-Tipps

Viele Brände sind auf Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit zurückzuführen und wären vermeidbar gewesen. Umso wichtiger ist die Prävention. Die Beratungsstelle für Brandverhütung gibt auf ihrer Website viele Tipps, die konkrete Empfehlungen zur Verhütung von Bränden bieten.
 

Unter anderem finden sich Tipps zu folgenden Themen:

 

So verhalten Sie sich richtig bei Bränden

Wie Feuerlöscher richtig verwendet werden

Gefahren bei Mehrfachsteckern und Steckdosenleisten

Lithium-Ionen-Akkus sicher benutzen

Rauchmelder können Leben retten

Brandschutz in den Fluchtwegen

Pflichten als Hauseigentümer und Mieter

 

Mehr erfahren Sie unter:
bfb-cipi.ch/brandverhuetungs-tipps

Über die Beratungsstelle für Brandverhütung

Die Beratungsstelle für Brandverhütung BFB setzt dort an, wo die meisten Brände entstehen – beim menschlichen Verhalten. Mit Kampagnen und Aufklärungsarbeit in der breiten Öffentlichkeit will die BFB eine Verhaltensänderung bei der Bevölkerung herbeiführen. Es sollen Brände verhütet und Schäden an Personen, Tieren, Sachen und der Umwelt verhindert werden.
 

Die BFB wird durch die Kantonalen Gebäudeversicherungen finanziert und engagiert sich in deren Auftrag in der Prävention.
 

Weitere Informationen finden Sie unter: bfb-cipi.ch