Ratgeber Tiere

Abschied nehmen fällt immer schwer

Haustiere bereichern unseren Alltag. Doch leider ist auch ihr Leben endlich. Ein geliebtes Tier zu verlieren, geht oft einher mit einer überwältigenden Trauer, die im Umfeld nicht immer auf Verständnis stösst.

von Esther Geisser

Präsidentin Network for Animal Protection

Haustiere sind für viele Menschen eine enorme emotionale Bereicherung. Die tiefe Verbundenheit zum tierischen Begleiter wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit der Besitzer aus und hilft auch bei Stress, Einsamkeit und depressiven Verstimmungen. Haustiere sind Familienmitglieder, Freunde, Weggefährten und Lebenspartner. Oft spielen sie auch eine zentrale Rolle als Spielkamerad, verschwiegener Zuhörer oder als Trostspender. Und sie geben uns Sicherheit, Konstanz, Wärme und Geborgenheit. Sie sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Doch leider ist auch das Leben unserer geliebten Tiere endlich. Und wegen der unterschiedlichen Lebenserwartungen überleben wir unsere Fell-Freunde regelmässig. Ob ein geliebter Mensch oder ein geliebtes Tier von uns geht, macht in der Trauer für viele Menschen keinen Unterschied. Der Verlust eines Tieres schmerzt und wiegt oft genauso schwer wie der eines Angehörigen oder eines Freundes. Laut einer Studie der Maynooth University in Irland empfindet jeder Fünfte den Verlust eines Tieres sogar schwerer als den eines nahestehenden Menschen.

Je nach Bindung zum Tier wird die Trauer, die der Verlust auslöst, unterschiedlich schwer erlebt. Trauer ist etwas sehr Persönliches. Unsere Gesellschaft unterscheidet zwar in der Art und Weise, wie mit Verlusten umgegangen werden soll, je nachdem ob der Verlust eines Menschen oder eines Tieres zu beklagen ist. Der Schmerz, der durch den Tod eines Haustieres ausgelöst wird, ist jedoch nicht weniger real als der Schmerz beim Verlust eines nahestehenden Menschen und verdient deshalb genau das gleiche Mitgefühl. Das Erleben eines Verlustes ist nicht an eine bestimmte Spezies gebunden.

Der Zeitpunkt des Abschieds

Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt, ein geliebtes Wesen gehen zu lassen. Wer sein Tier liebt, will es stets an seiner Seite wissen. Er wird es auch durch schlechte Zeiten begleiten und dafür sorgen, dass, wann immer es irgendwie möglich ist, die Lebensqualität des Tieres wieder hergestellt wird. Die Angst vor dem eigenen Verlust sollte allerdings nicht dazu führen, dass man ein Tier unnötig lange leiden lässt. Gibt es nichts mehr, was das Wohlbefinden des tierischen Freundes wiederherstellen kann, stellt sich die oft verdrängte Frage, ob nicht der Moment gekommen ist, seinen Lebensgefährten gehen zu lassen, um unnötiges Leiden zu verhindern. Den richtigen Augenblick zu erkennen und sich dies einzugestehen, ist das Schwierigste überhaupt! Ein Gespräch mit dem Tierarzt kann helfen, seine Entscheidung besser abzustützen. Dieser kann den Besitzer auf bestimmte Signale und Verhaltensweisen des Tieres hinweisen, die es zu erkennen gilt.

Während Sterbehilfe für Menschen in der Schweiz nur unter bestimmten Umständen erlaubt ist (die betroffene Person muss urteilsfähig sein, darf nicht im Affekt handeln, nicht beeinflusst werden und muss die Handlung, die zum Tod führt, eigenständig ausführen), ist sie für Tiere zulässig. Tierärzte dürfen das Leben (und Leiden) eines Tieres jederzeit beenden. Ist der Patient tatsächlich am Ende seiner Kräfte, und ist eine Wiederherstellung der Lebensqualität nicht mehr möglich, kann ein Euthanasieentscheid dem Tier ein langes, mit Leid erfülltes und qualvolles Dahinvegetieren ersparen.

Leider gibt es auch immer wieder Tierhalter, die das ausnutzen, um ein durchaus noch lebenswertes Leben frühzeitig zu beenden. Kranke, behinderte, verletzte oder alte Tiere brauchen mehr Fürsorge als junge, gesunde Vierbeiner. Sie kosten auch mehr Zeit und Geld. Und vielleicht hinterlassen sie Spuren, wo sie keine Spuren hinterlassen sollten. Aber solche Einschränkungen sind nicht gleichbedeutend mit dem Verlust des Lebenswillens und der Lebensfreude. Dennoch werden immer wieder Tiere eingeschläfert, weil sich der Halter auf diese Weise von den für ihn damit verbundenen Einschränkungen selbst erlösen will. Weil das einfacher ist, als Verantwortung zu übernehmen, Medikamente pünktlich zu verabreichen und allfällige Hinterlassenschaften auf dem Teppich wegzukehren.

Ist der traurige Moment gekommen, sich von seinem Haustier endgültig verabschieden zu müssen, wird der Tierarzt es euthanasieren. Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet «schöner Tod». In der Tiermedizin ist es ein Synonym für das Wort Einschläfern. Dieser letzte Akt soll ruhig, würdevoll und komplett schmerzfrei erfolgen. Bevor das eigentliche Mittel, das zum Tod führt, gespritzt wird, wird das Tier sediert, so dass es tief und fest schläft und nichts mehr mitbekommt. Idealerweise lässt man sein Tier in seiner gewohnten Umgebung gehen und bleibt bei ihm, bis zum letzten Atemzug. Viele Tierärzte bieten dafür Hausbesuche an. Ist ein Hausbesuch nicht möglich, sollte man darauf achten, jenseits aller Hektik den schweren Termin in Ruhe wahrnehmen zu können. Dies nicht für sich selbst, sondern vielmehr für sein Tier. Für eine Euthanasie sollte immer genügend Zeit zur Verfügung stehen. Wenn möglich sollte der geliebte Freund im Arm des Halters oder im Lieblingsbettchen einschlafen dürfen. Egal wie schwer der Abschied einem fällt: Ein Tier diesen letzten Weg allein gehen zu lassen, ist absolut inakzeptabel!

Und danach?

Trotz Trauer wird man als Tierhalter umgehend damit konfrontiert, was mit dem Körper des Tieres passieren soll. Deshalb ist es gut, wenn man sich schon vorher darüber Gedanken macht. Obschon man auch den leblosen Körper manchmal kaum loslassen möchte, muss man sich oft rasch entscheiden, was mit ihm geschehen soll.

Die Beerdigung im eigenen Garten ist erlaubt, wenn das Tier nicht mehr als zehn Kilo wiegt und das Grundstück nicht in einem Grundwasserschutzgebiet oder in der Nähe eines Trinkwasserreservoirs oder einer Quelle liegt. Es gibt Gemeinden in der Schweiz, die weitere Einschränkungen vorsehen. Wichtig ist in jedem Fall, das Grab mindestens 1,2 Meter tief auszuheben, damit es vor dem Ausgraben durch andere Tiere geschützt ist. Die Möglichkeit, das Grab zu schmücken und es regelmässig zu besuchen, kann eine grosse Hilfe bei der Trauerbewältigung sein. Hat man keinen eigenen Garten, bieten Tierfriedhöfe eine Alternative.

Eine weitere würdevolle Möglichkeit bieten Tierkrematorien. Möchte man sein Tier nicht selbst dahin bringen, organisieren die Tierarztpraxen die Abholung. Bei einer Einzelkremation hat man die Möglichkeit, dem Tier etwas mitzugeben, z. B. Blumen, ein Lieblingsspielzeug, die Lieblingsdecke. Die Asche bekommt man in einem Stoffsäckchen oder einer selbst ausgesuchten Urne zurück.

Eine kostengünstigere aber nicht weniger würdige Möglichkeit bietet die Sammelkremation. Das Tier wird zusammen mit anderen Verstorbenen eingeäschert und in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. In einigen Krematorien ist der Zugang zu diesem Grab jederzeit für Besucher geöffnet.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Tier bei der sogenannten Kadaversammelstelle der Gemeinde abzugeben. Zusammen mit Schlachtabfällen gelangt der Körper des Haustieres dann in eine Verwertungsanlage.

Trauer

Der Abschied ist schmerzhaft. Dieser Schmerz kann überwältigend sein, sehr lange anhalten und das Leben stark beeinflussen. Leider sind Gesellschaft und auch Arbeitgeber noch nicht so weit, die Trauer über den Verlust eines Tieres mit der Trauer um einen Angehörigen gleichzustellen. Die meisten Unternehmen anerkennen den Tod des tierischen Begleiters nicht als Urlaubsgrund, obschon die Arbeitsfähigkeit genauso eingeschränkt sein kann wie beim Verlust eines Angehörigen. Gerade weil ein Grossteil der Gesellschaft den Verlust eines Tieres nicht besonders ernst nimmt, neigen viele Tierhalter dazu, ihre Trauer zu verbergen, anstatt ihr den nötigen Raum zu geben und Wege zu finden, damit besser umzugehen.

Tiere hinterlassen Spuren in unseren Herzen. An sie zu denken und sich schöne Erlebnisse in Erinnerung zu rufen, kann helfen, mit dem Schmerz umzugehen. Manchmal hilft auch das Betrachten von Fotos und Videos, um sich vor Augen zu führen, was für ein Glück man hatte, während einer gewissen Lebenszeit von einem so wundervollen Wesen begleitet worden zu sein. Gespräche mit Menschen, die den Schmerz verstehen, können lindernd wirken. Glücklicherweise gibt es heute auch andere Möglichkeiten wie Trauerberatungen, bei denen man Verständnis und Trost finden kann.

Auf keinen Fall sollte man in der Trauer die anderen Tiere im Haushalt vergessen. Auch sie durchlaufen vielleicht ihre eigene Trauerphase. Wenn immer möglich sollte man den anderen Tieren die Möglichkeit bieten, den Körper des toten Freundes zu sehen und zu beschnuppern, damit sie auf ihre Weise verstehen können, was passiert ist. Je nach Bindung können auch Tiere Zeichen von depressiven Verstimmungen aufweisen, wie zum Beispiel Appetitverlust oder Verhaltensveränderungen, und brauchen dann allenfalls eine intensivere Betreuung.

Zeigen Sie Mitgefühl!

Der Schmerz eines Verlustes, egal welcher Natur, trifft uns alle irgendwann, und jeder von uns geht damit unterschiedlich um. Den Verlust und Schmerz von Tierhaltern bewerten zu wollen, ist nicht angebracht. Auch wenn es manchen Menschen schwerfällt, zu verstehen, wie unsäglich gross der Kummer nach dem Tod eines geliebten Haustieres sein kann, sollte man trotzdem versuchen, Verständnis und Mitgefühl für die betroffenen Menschen zu zeigen. Das kann auch damit bekräftigt werden, eine Beileidskarte zu schicken oder eine Spende an eine Tierschutzorganisation im Namen des verstorbenen Tieres zu tätigen. Die trauernde Person zu ermutigen, über schöne Erinnerungen zu sprechen oder diese aufzuschreiben, regelmässig nachzufragen, wie es ihr geht, zeigt menschliche Anteilnahme und kann in dieser schweren Zeit helfen.

Stirbt unser Haustier, bricht nicht nur eine emotionale Beziehung weg. Unser Alltag verändert sich tiefgreifend. Um sich auf die neue Situation einstellen zu können, braucht es Zeit. Zeit, die wir uns in unserer schnelllebigen Welt oft nicht geben oder nehmen; Zeit, die wir nicht beanspruchen wollen. Wir sollten lernen, der Trauer Zeit einzuräumen. Die Trauerforschung zeigt, dass es keine richtige Abkürzung gibt, den erlittenen Verlust schneller zu verarbeiten. Am Ende ist es die Zeit, die auch schwere Wunden zu heilen vermag.

Ratgeber Tiere

Autorin Esther Geisser schreibt für diese Zeitung regelmässig Ratgeber und Fachartikel zu verschiedenen Aspekten der Tierhaltung und des Tierschutzes.

 

Esther Geisser ist Präsidentin und Gründerin von Network for Animal Protection (NetAP, netap.ch). Sie ist Juristin, hat ein Diplom als Verhaltenstherapeutin für Kleintiere (I.E.T), ist Mitglied der VIETA und hat die FBA für Betreuungspersonal in Tierheimen inkl. Praktikum erfolgreich absolviert. Im Tierschutz ist sie seit frühester Kindheit aktiv.