Gebäudehülle

Mehr Schutz – weniger Verbrauch

Moderne Architektur braucht wirksamen Sonnenschutz – das ganze Jahr über. Aussen liegende textile Systeme verhindern Überhitzung und steigern den Komfort und die Energieeffizienz von Gebäuden.

von Gerald Brandstätter

Conzept-B

Mit länger werdenden Tagen, mehr Sonnenstunden und steigenden Temperaturen rückt der Sonnenschutz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Intelligente Systeme verhindern die Überhitzung von Gebäuden, reduzieren den Bedarf an Klimaanlagen und senken dadurch nachhaltig CO₂-Emissionen.

Textiler Sonnenschutz vereint Funktion, Gestaltung und Nachhaltigkeit. Als zentrales Element moderner Architektur und Gebäudetechnik erfüllt er bauphysikalische wie auch ästhetische Anforderungen. Er schützt vor Blendung und übermässiger Wärme, unterstützt die gezielte Nutzung von Tageslicht und verbessert die Energieeffizienz. Im Unterschied zu starren Verschattungen ist er flexibel, leicht und vielseitig einsetzbar – und damit anpassungsfähig an unterschiedliche architektonische Konzepte.

Innen- und Aussenlösungen

Grundsätzlich wird zwischen innen und aussen liegenden Systemen unterschieden. Innen liegende Lösungen wie Rollos, Flächenvorhänge, Vertikallamellen, Plissés oder Jalousien dienen primär dem Blend- und Sichtschutz sowie der Lichtlenkung. Besonders an Bildschirmarbeitsplätzen verbessern sie die visuellen Bedingungen und ermöglichen eine individuelle Steuerung des Tageslichteinfalls. Da die Sonnenstrahlung beim Auftreffen auf diese Systeme bereits im Raum ist, bleibt ihre Wirkung zur Reduktion der Wärmelast begrenzt.

Energetisch deutlich wirksamer sind aussen liegende Systeme wie Markisen, Screens, textile Fassadenbeschattungen oder Storen. Sie stoppen einen Grossteil der solaren Strahlung vor der Verglasung und verhindern so das Aufheizen der Innenräume. Dynamische, aussen liegende Lösungen können bis zu 90 Prozent der äusseren Wärmeeinstrahlung vor dem Glas abhalten. Gerade bei steigenden Sommertemperaturen senkt dies den Bedarf an Kühlung und reduziert somit die Betriebskosten.

Die Bedeutung dieser Massnahmen wächst mit der Entwicklung moderner Architektur hin zu Transparenz und grossflächigen Verglasungen. Grosse Fensterflächen ermöglichen eine bessere Nutzung des natürlichen Tageslichts und sparen Energie für künstliche Beleuchtung; an kalten Tagen kann solare Strahlung zur passiven Erwärmung beitragen. Gleichzeitig bergen Glasflächen Risiken: Überhitzung im Sommer und Auskühlung im Winter. In stark gedämmten und luftdichten Gebäudehüllen steigt das Überwärmungsrisiko zusätzlich und betrifft nicht mehr nur die Sommermonate.

Automatisierte Lösungen von Vorteil

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal textiler Systeme ist das Gewebe. Hochwertige Tücher bestehen häufig aus Glasfaser- oder Polyestergeweben mit PVC- oder vergleichbaren Beschichtungen. Sie sind reissfest, UV-beständig und formstabil. Der Öffnungsfaktor – der Anteil offener Fläche im Gewebe – bestimmt die Transparenz: Ein niedriger Wert erhöht Blend- und Sichtschutz sowie Privatsphäre, ein höherer ermöglicht bessere Durchsicht nach aussen. Transparenzgrad, UV-Schutzklasse, Schutzart (Schatten, Verdunklung, Blend- und Sichtschutz) sowie Farbe und Muster sind wählbar. Helle Tücher bieten geringeren UV-Schutz und reduzieren Blendung nur eingeschränkt; gerade bei Storen und Markisen sind dunklere Stoffe mit höherem UV-Schutz empfehlenswert.

Markisen als Klassiker werden direkt an der Fassade montiert. Sie bestehen aus einem korrosionsbeständigen Metall- oder Kunststoffgestell und einem strapazierfähigen, wasser- und witterungsbeständigen Tuch. In der Regel sind sie aufroll- oder faltbar. Varianten wie Senkrecht- oder Ausstellmarkisen sowie verstellbare Neigungswinkel erhöhen die Flexibilität. Allerdings sind Markisen meist nur bis zu mässiger Windstärke einsetzbar; aussen liegende Systeme müssen in abgesenkter Stellung Windgeschwindigkeiten bis 60 km/h standhalten.

Die Wirksamkeit von Sonnenschutz hängt stark von der konsequenten Nutzung ab. Daher bieten leicht bedienbare, motorisierte oder automatisierte Lösungen deutliche Vorteile. Neben handbetriebenen Varianten gibt es Systeme mit Elektromotor, steuerbar per Fernbedienung, Zeitschaltuhr, Windwarnanlage oder Wärmestrahlungsgeber. Sensoren für Wind, Sonne und Temperatur ermöglichen die automatische Anpassung an wechselnde Bedingungen. In Verbindung mit Gebäudeleittechnik oder Smart-Home-Systemen lassen sich komplexe Steuerungsstrategien realisieren, die Komfort und Energieeffizienz optimieren. Windwächter und automatische Einfahrfunktionen erhöhen zudem die Langlebigkeit der Anlagen.

Ganzheitliches Klimakonzept

Neben der Funktion spielt die Gestaltung eine zentrale Rolle. Unterschiedliche Farben, Gewebestrukturen und Führungsarten eröffnen vielfältige Möglichkeiten der Fassadengestaltung und strukturieren insbesondere grossflächige Glasfassaden. Textiler Sonnenschutz wird damit integraler Bestandteil des architektonischen Gesamtkonzepts und ist weit mehr als ein dekoratives Element. Langlebige Materialien, recyclingfähige Komponenten und energieeffiziente Produktionsprozesse beeinflussen die Produktauswahl. Vor allem aber trägt textiler Sonnenschutz dazu bei, den Kühlenergiebedarf deutlich zu reduzieren. Durch die Verbindung von Technik, Design und Nachhaltigkeit ist er ein unverzichtbarer Bestandteil zeitgemässer, energieeffizienter Architektur.

Mehr Sonnenschutz, weniger Kühlverbrauch

In Europa verbrauchen Gebäude rund 40 Prozent unserer Energie und verursachen 36 Prozent der Treibhausgasemissionen. Laut dem Verband Sonnenschutz und Storentechnik Schweiz kann intelligenter Sonnenschutz den steigenden Kühlenergieverbrauch bis 2050 um 60 Prozent senken. Es wird also Zeit, dem Sonnenschutz mehr Beachtung zu geben, um Überhitzung zu bekämpfen. Denn durch intelligenten Sonnenschutz können die folgenden Vorteile erreicht werden:

 

Weniger Bedarf an aktiver Raumkühlung

 

Passive Kühlung dank intelligentem Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung

 

Senkung der Energiekosten

 

Senkung der CO2-Emissionen

 

Mehr klimaresistente Gebäude

 

Steigerung des Komforts

 

Quelle Verband Sonnenschutz und Storentechnik Schweiz