Während der letzten Jahre haben sich Gebäudeschäden durch Naturgefahren mehr als verdoppelt. Im Gegensatz zu früher werden für den Bau von Gebäuden heute vermehrt Materialien verwendet, die ästhetische und wirtschaftliche Kriterien erfüllen. Wichtige Aspekte wie Beständigkeit oder Robustheit werden dabei oftmals vernachlässigt. Folglich stellen Einwirkungen der Natur eine immer grössere Gefahr dar. Insbesondere da man Naturgefahren nicht verhindern und ihnen oftmals nicht ausweichen kann.
Um Schäden zu verringern oder zu vermeiden, sollten Gebäude möglichst wetterfest und schadensicher gebaut und unterhalten werden. Das reduziert nicht nur die Kosten im Schadenfall, sondern schützt auch die Menschen und deren Besitz.
Schutz vor Hagelschäden
Hagel kann überall in der Schweiz auftreten und die ganze Gebäudehülle treffen. Über die Lebensdauer eines Gebäudes muss mindestens einmal mit Hagel von 3 cm Durchmesser gerechnet werden. Ein Hagelkorn dieser Grösse prallt mit einer Geschwindigkeit von rund 85 km / h auf. Bei nicht geprüften und nicht von sich aus hagelresistenten Bauteilen wie Glas oder Beton kann ein solcher Aufprall massive Schäden verursachen. Im schlimmsten Fall entstehen Risse. Wird dabei die Gebäudehülle undicht, kann Wasser eintreten und hohe Folgeschäden verursachen.
Um einen umfassenden Hagelschutz zu erreichen, gibt es zwei Aspekte zu berücksichtigen: Erstens die Verwendung robuster Materialien und hagelgeprüfter Produkte, zweitens der Schutz der besonders verletzlichen Lamellenstoren.
Hagelgeprüfte Bauteile finden
Für sämtliche Elemente der Gebäudehülle gibt es eine Vielzahl hagelgeprüfter Produkte. Im Hagelregister finden sich Bauteile, die nach einheitlichen Prüfbestimmungen an sieben Prüfinstituten getestet werden. Die Bauteile werden dabei in fünf Hagelwiderstandsklassen HW 1 bis HW 5 eingeteilt, wobei die Ziffern jeweils der maximalen Korngrösse in Zentimetern entsprechen, der ein Bauteil standhält. Als allgemeine Empfehlung gilt, die gesamte Gebäudehülle gegen mindestens 3 cm grosse Hagelkörner zu schützen, also Bauteile mit einem Hagelwiderstand von mindestens HW 3 zu verwenden. Das Hagelregister ist als Projekt der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen entstanden, mittlerweile jedoch nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich und Deutschland verfügbar.
Storen vor Schäden schützen
Durch Hagelschläge besonders gefährdet sind Lamellenstoren und andere Sonnenschutzelemente. Sie können bereits bei Hagelkörnern unter 2 cm Durchmesser beschädigt werden. Gegenüber anderen Teilen der Gebäudehülle haben Storen aber einen entscheidenden Vorteil: Sie lassen sich hochfahren und so aus der Gefahrenzone bringen. Die darunterliegenden modernen Fenster und Fensterrahmen sind heute sehr robust und weniger anfällig für Hagelschläge. Verfügt das Gebäude über eine Storensteuerung, lassen sich Storen mit dem richtigen Signal bei drohendem Hagel sogar automatisch hochfahren.
Schutz vor Starkregen und Oberflächenabfluss
Überschwemmungen sind für über einen Drittel der Gebäudeschäden durch Naturgefahren verantwortlich. Zusammen mit Hagelschäden verursachen sie ungefähr 80 Prozent der jährlichen Gesamtschadenssumme.
Dabei sind aber rund die Hälfte aller Überschwemmungsschäden nicht auf ausufernde Bäche, Flüsse und Seen sowie daraus entstehendes Hochwasser, sondern auf Oberflächenabfluss zurückzuführen. Wenn Wasser bei starkem Regen nicht unmittelbar versickern kann, fliesst es als Oberflächenabfluss auf dem Boden ab und gelangt über Wiesen und Strassen ins Siedlungsgebiet. Dort kann es in tiefer liegende Gebäudeöffnungen eindringen und massive Schäden verursachen.
Massnahmen zum Schutz vor Überschwemmung
Ein zuverlässiger Hochwasserschutz setzt auf den permanenten Schutz sämtlicher Gebäudeöffnungen im überschwemmungsgefährdeten Bereich. Obwohl Objektschutzmassnahmen auch an bestehenden Bauten nachträglich durchgeführt werden können, lohnt es sich, diese bereits in die Gebäudeplanung miteinzubeziehen. So lassen sich bei einer Gefährdung durch Oberflächenabfluss die Höhenlage des Erdgeschosses und der Gebäudeöffnungen optimieren und die Umgebung so gestalten, dass der Wasserabfluss gezielt um Gebäude herumgeleitet wird.
Für die Planung und Umsetzung von Schutzmassnahmen ist die Kenntnis der Abflusswege von Regenwasser entscheidend. Die lokale Gefährdung durch Oberflächenabfluss kann ganz einfach mit dem Naturgefahren-Check der Informationsplattform von «Schutz vor Naturgefahren» abgerufen werden. Ausserdem werden auf der Seite Materialien und Bauteile für den Hochwasserschutz gelistet, die gefiltert und nach Verwendungszweck durchsucht werden können. Ein Register für geprüfte Hochwasserschutzprodukte, ähnlich dem Hagelregister, ist ebenfalls verfügbar und wird laufend um Produkte erweitert.
Weiterführende Informationen
● Informationsplattform mit standortgenauer Gefährdungsübersicht: schutz-vor-naturgefahren.ch
● Hagelgeprüfte Bauprodukte: hagelregister.ch
● Automatische Storensteuerung für intelligenten Hagelschutz: hagelschutz-einfach-automatisch.ch








