Photovoltaik

Warum gut geplante Solardächer mehr bringen als voll belegte

Solaranlagen boomen: Bei neuen und modernisierten Gebäuden wird zunehmend auf Solarstrom gesetzt. Die Technische Kommission Solar | Energie von Gebäudehülle Schweiz prüfte, wie wirtschaftlich teil- und vollbelegte Solardächer sind.

 

von Christian Renken

Inhaber CREnergie Sàrl

von Isabel Morollón

Freie Texterin Gebäudehülle Schweiz

Um möglichst viel Solarstrom zu erzeugen, werden Dächer in der Praxis oft komplett mit Solarmodulen belegt. Das klingt sinnvoll – hat aber einen Haken: Eine Vollbelegung macht Wartung und Unterhalt kompliziert und teuer.

Wartung entscheidet über den Erfolg von Solardächern

Photovoltaikanlagen müssen regelmässig kontrolliert und gepflegt werden, damit sie dauerhaft zuverlässig Strom liefern. Auf den Modulen kann sich Schmutz ansammeln, was die Leistung mindert. Besonders bei Anlagen auf Gründächern ist es wichtig, dass genug Platz zwischen den Modulen vorhanden ist, um die Gründächer zu pflegen und zu hohe Gräser und abgestorbene Pflanzen zu entfernen. So können Beschattungen auf den Modulen vermieden werden. Solardächer, bei denen schon in der Planung Wartungswege und ein fest installiertes Sicherungssystem für das Wartungspersonal vorgesehen sind, lassen sich deutlich einfacher betreiben. Techniker können sich sicher bewegen, Schäden schneller erkennen und Reparaturen effizient durchführen. Das verhindert mögliche Folgekosten und erhöht am Ende die Wirtschaftlichkeit der Anlage, auch wenn weniger Dachfläche mit Modulen belegt ist. Die Mitglieder der Technischen Kommission Solar | Energie von Gebäudehülle Schweiz – Markus Weissenberger und Urs Hanselmann – zeigen diesen Zusammenhang anhand von drei Varianten (siehe Box unten).

Gründächer mit Photovoltaik

Gründächer werden in Städten immer beliebter. Viele Gemeinden schreiben sie bei Neubauten oder Modernisierungen von Flachdächern bereits vor. Die begrünte Dachschicht hat viele Vorteile: Sie speichert Regenwasser, kühlt die Umgebung und hilft so aktiv beim Klimaschutz. Ausserdem schafft sie Lebensraum für Insekten, was in dicht bebauten Gebieten besonders wichtig ist. Auch Photovoltaikanlagen leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Werden Gründach und Solaranlage kombiniert, ist jedoch Vorsicht geboten: Eine vollständige Belegung mit Solarmodulen hebt die positiven Effekte des Gründachs weitgehend auf. Entscheidend ist deshalb eine fachkundige Planung. In der Praxis werden die Module mit etwa 30 bis 50 Zentimetern Abstand über dem Boden montiert, idealerweise in sogenannter Schmetterlingsaufstellung. So können die Pflanzen zurückgeschnitten, die Module gereinigt und die Wartungsarbeiten problemlos durchgeführt werden. Für den Arbeitsschutz sind ausreichend breite Wartungswege und ein fest installiertes Sicherungssystem, etwa ein Rückhaltesystem oder ein Geländer, einzuplanen.

 

Beispiel-Übersicht

Die Bauarbeitenverordnung schreibt in Art. 9 vor, dass Arbeitsplätze über sichere Verkehrswege erreichbar sein müssen und dass Absturzsicherungen auf Dächern anzubringen sind. Es bieten sich mehrere Sicherungskonzepte an, mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Unterhaltskosten und die Wirtschaftlichkeit der Solardächer:

Variante 1 setzt auf eine vollständige Belegung des Dachs mit Solarmodulen – ohne festes Sicherungssystem. Für Wartungsarbeiten muss jedes Mal ein Fassadengerüst aufgebaut werden, damit sicher gearbeitet werden kann. Diese wiederkehrenden Kosten sind hoch. Dadurch bleibt der finanzielle Nutzen der Anlage negativ. Eine Hebebühne ist keine einfache Alternative, da dafür strenge Vorschriften gelten. Wird seltener gewartet, sinkt zwar der Aufwand, dafür gehen Erträge durch Verschmutzung und Pflanzenwuchs verloren.

Variante 2 plant von Anfang an genügend Verkehrswege ein. Alle Module sind ohne Gerüst erreichbar. Ein Seilsicherungssystem sorgt für Sicherheit, die Wartung darf nur von speziell geschultem Personal durchgeführt werden. Obwohl mit diesem System rund 15 bis 25 Prozent weniger Module installiert werden können, ist diese Lösung insgesamt am rentabelsten.

Variante 3 nutzt ein fest montiertes Geländer am Dachrand. Dadurch geht Platz für Module verloren, dafür dürfen auch nicht speziell geschulte Personen das Dach betreten. Diese Lösung eignet sich besonders für Dächer mit häufigem Unterhalt. Diese Variante ist ebenfalls wirtschaftlich, vor allem bei grösseren Dachflächen.

Der vorliegende Artikel ist erstmals in der Fachzeitschrift «Gebäudehülle 06 – 2025» erschienen.

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