Ratgeber Tiere

Vogelküken in Not

von Esther Geisser

Präsidentin Network for Animal Protection

Im Frühling landen viele Vogelküken in spezialisierten Auffangstationen, weil aufmerksame Menschen ihnen helfen möchten. Doch Achtung: Nicht jeder Jungvogel braucht tatsächlich Hilfe!

Verletzte Tiere benötigen immer Hilfe. Ebenso auf Hilfe angewiesen sind Vögel, die noch nicht vollständig befiedert sind und die man nicht – unbeobachtet von den Vogeleltern – ins Nest zurücksetzen kann. Und auch Segler, die auf dem Boden gefunden werden, sind auf menschliche Hilfe angewiesen.

Gesund wirkende Jungvögel mit vollständigem Gefieder hingegen sollte man am Fundort belassen, ausser es sind keine Eltern in der Nähe – auch nicht nach mindestens einer Stunde Beobachtungszeit aus genügend Distanz. Ist das Vogelkind gefährdet durch Verkehr oder Katzen, sollte es aus der Gefahrenzone entfernt in ein Gebüsch, auf einen Ast oder eine Hecke versetzt werden. Die Eltern finden es und werden sich weiter um den Nachwuchs kümmern.

Vögel, die Hilfe brauchen, gehören unbedingt in die Hände von Fachleuten. Es ist widerrechtlich, die Vögel zu Hause zu versorgen. Sorgen Sie für Wärme, packen Sie den Patienten in eine kleine Kartonschachtel mit Luftlöchern (Dunkelheit beruhigt), und bringen Sie ihn zum Tierarzt oder in die nächste Vogelauffangstation. Flössen Sie dem Vogel auf keinen Fall Futter oder Wasser ein, das könnte tödlich enden.

Und noch einen Rat an Katzenhalter: Verpassen Sie Ihren Miezen zwei, drei Tage Hausarrest, wenn im Garten die Vogelküken flügge sind. Die Vogelwelt wird es Ihnen danken, die Katzen werden es Ihnen verzeihen.