Meier meint

Spielbälle im Strommarkt?

von Markus Meier

Direktor HEV Schweiz

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Die Photovoltaik (PV) in der Schweiz hat in den letzten Jahren einen Hype erlebt. Der Zubau mit PV-Anlagen hat stetig zugenommen. 2024 war der Anteil an Solarstrom auf 10 Prozent angewachsen, im vergangenen Jahr sollen es gegen 15 Prozent gewesen sein. Dies ohne gesetzliche Pflicht, sondern auf private Initiative hin. Die Entwicklung wird als positiv und notwendig gewertet, damit die Schweiz ihre Energie- und Klimaziele bis 2050 erreichen kann. Auch wenn für diesen PV-Ausbau finanzielle Fördermassnahmen ausgerichtet werden, liegt die Hauptlast der Investition immer bei den Liegenschaftseigentümern. Einigen scheint das aber noch nicht genug zu sein. Im Gegenteil: Man erwartet von den Hauseigentümern noch viel mehr, ja, will sie allenthalben mit Obligatorien gesetzlich zur PV-Montage verdonnern. Entsprechende Vorgaben finden sich auch in den neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2025).

Seit Anfang 2026 macht nun die Wortschöpfung des «netzdienlichen Ladens» die Runde. Will heissen, dass Solarstrom nicht mehr einfach so ins Netz eingespeist werden darf. Aufgrund entsprechender Regelungen im neuen Stromversorgungsgesetz und in der dazugehörigen Stromversorgungsverordnung darf ein Anteil der produzierten Energie abgeregelt werden. Der Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen hat in einem Branchendokument festgelegt, wie dies umgesetzt und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden sollen. So heisst es zum Beispiel bei den Centralschweizerischen Kraftwerken CKW, dass neue Solaranlagen unterhalb 1200 Metern über Meer seit dem 1. Januar 2026 nur noch maximal 70 Prozent ihrer Modulleistung ins Netz einspeisen dürfen. Das bringe Vorteile für alle. Belastungsspitzen an sonnigen Tagen zur Mittagszeit würden reduziert, das Netz dadurch entlastet und Netzausbaukosten gesenkt – alles eben «netzdienlich». Denkbar scheint auch, dass gewisse Stromeinspeisungen bald nicht mehr vergütet, sondern mit einer Gebühr belastet werden.

Die Betreiber von PV-Anlagen werden also nun auf Netzdienlichkeit getrimmt. Einst als Investoren in eine neue Technologie zur CO2-freien Stromerzeugung mit gleichzeitiger Versorgungssicherung des Strombedarfs umgarnt, scheinen Hauseigentümer mit PV-Anlagen nunmehr zu Spielbällen im Strommarkt zu werden. Und das Ganze soll ihnen vorzugsweise mit gesetzlichen Obligatorien auf ihre Hausdächer und Fassaden «gedrückt» werden.

Hauseigentümer mit PV-Anlagen scheinen zu Spielbällen im Strommarkt zu werden.