Wohnen

So macht Arbeiten im Homeoffice Spass

Dihei Aus der Not geboren, hat sich eine Ära des Arbeitens von zu Hause aus etabliert. Doch wie macht man aus einer improvisierten Ecke einen professionellen Arbeitsplatz? Diese neuen Möbel und Leuchten helfen dabei.

von Andrea Eschbach

Journalistin, Zürich

Die Gegenwart gehört dem Homeoffice. Denn von zu Hause aus zu arbeiten, bringt Angestellten und Arbeitgebern gleichermassen Vorteile. Mit der steigenden Zahl der Homeoffice-Nutzer haben sich auch die Ansprüche an die Einrichtung verändert. Die heimischen Arbeitsplätze sollen sich stilvoll in den Lebensraum integrieren. Neue Ideen, wie das aussehen soll, liefern dieses Jahr viele Hersteller, so auch das kleine Schweizer Label Distelberg.

Die Pandemie war eigentlich schuld an «Paul»: Alexander Baumanns Frau benötigte für ihr Covid-bedingtes Homeoffice dringend einen Stehtisch. Ihr schwebte ein Möbel vor, das sich gut in die heimischen vier Wände fügt. Hier kam Baumanns Vater, Besitzer des Büromöbelherstellers Paul Zimmerli AG in Unterentfelden, ins Spiel: Im Traditionsbetrieb am Fuss des Distelbergs werden seit fast 100 Jahren Büromöbel gefertigt. Gemeinsam tüftelte man am Stehtisch «Paul» – der Name ist eine Hommage an den Grossvater und Firmengründer. Das Ergebnis war so überzeugend, dass 2021 ein neues Label mit dem Namen «Distelberg» gegründet wurde. Das schlichte, höhenverstellbare Pult kombiniert eine Arbeitsplatte aus Eichen- oder Buchenfurnier mit einem Tischgestell aus Stahl, womit auch an langen Arbeitstagen einer ergonomischen Haltung Rechnung getragen wird. Ein Möbel, das funktional ist und dabei den Anspruch hat, sich optimal in die Inneneinrichtung einzufügen. «Damit es zu Hause am schönsten bleibt», sagt Alexander Baumann.

Schreibtische oder Sekretäre

Ein Eyecatcher ist auch der elegante Schreibtisch «Nelson». Den Entwurf von Matteo Nunziati für die italienische Marke Bonaldo prägen klare Linien. Die Platte aus Nussbaum Canaletto wird von einem schlichten Metallsockel getragen. Der kleine Tisch fügt sich nahtlos in alle Räume des Hauses ein.

Eine kompakte Kombination aus Bücherregal und Schreibtisch präsentiert die italienische Marke Opinion Ciatti: «Pacifico», ein Entwurf von Lapo Ciatti, ist ein wandmontiertes Bücherregal. Das Design ist detailliert durchdacht: Es besteht aus zwei vertikalen, an der Wand befestigten Stahlstützen, die je nach Ausführung Regalböden, Buchstützen, aber auch eine Schreibtischablage beherbergen, was dieses Möbel zum idealen Element für eine funktionale Homeoffice-Ecke macht.

Mit dem Entwurf «Pisa» bringt der österreichische Hersteller Team 7 ein natürliches Wohngefühl ins Homeoffice. Der aus reinem Naturholz gefertigte Schreibtisch ist stufenlos höhenverstellbar. Die schräg eingebaute Hubsäule ist Designelement und innovative Technik zugleich. Millimetergenau an die Bedürfnisse angepasst, kann der Schreibtisch im Sitzen oder im Stehen genutzt werden. Bilder und Pinnwände an der Wand sind kein Hindernis, denn die Tischplatte bewegt sich beim Hochfahren automatisch leicht nach vorne.

Ein passender Stuhl gehört dazu

Der richtige Stuhl ist für einen ergonomischen Homeoffice-Platz matchentscheidend. Der Schweizer Büromöbelhersteller Girsberger hat sich für den Bürostuhl «Giroflex 150» mit der japanischen Möbelmarke Karimoku New Standard und dem Westschweizer Studio Big-Game zusammengetan. Das Ergebnis vereint die Stärken beider Hersteller und verbindet die Schönheit des traditionellen japanischen Holzhandwerks mit einem zeitgenössischen Twist. Der Stuhl ist auf 150 Exemplare limitiert. Nicht limitiert ist dagegen das Modell «Marel», ein Entwurf von Mathias Seiler für Girsberger. Der wohnliche Stuhl, verfügt über eine bequeme, flexible Sitzschale und eine aufwendig wattierte Polsterung.

Der deutsche Hersteller Thonet legt mit der Wiederauflage des Formholzstuhls «S 661» einen preisgekrönten Entwurf von Günter Eberle aus den frühen Fünfzigerjahren neu auf. Seine Formholz-Sitzschale lebt von der Schönheit des natürlichen Materials und kommt in elegantem Nussbaum, warm anmutender Eiche, Buche naturbelassen oder gebeizt daher. Das Stahlrohrgestell ist wahlweise verchromt oder pulverbeschichtet. Die gemaserte Holzoberfläche und die weichen Rundungen lassen den «S 661» trotz formaler Reduktion und minimalem Materialeinsatz wohnlich wirken.

Die richtige Beleuchtung

Eine perfekte Beleuchtung ist ein Muss am Schreibtisch. Der Hersteller Vitra legt einen Entwurf von Jean Prouvé neu auf: «Abat-Jour Conique», ein kegelförmiger Lampenschirm, den der französische Designer und Konstrukteur 1947 für die Wandleuchte «Potence» entwickelt hat. Diese ausladende, schwenkbare Wandleuchte ist Jean Prouvés Meisterstück. Eine Wiederentdeckung ist auch die Schreibtischleuchte «G.O.» des Herstellers Oluce. Sie ist die Neuauflage eines Modells, das Firmengründer Giuseppe Ostuni in den 1960er-Jahren entworfen hat. Der Entwurf zeichnet sich durch eine vertikale Nickelstange und einen horizontalen Arm aus, an dem der zylindrische Schirm befestigt ist. Der Arm ist dank des Gelenksystems verschiebbar und kann so je nach Bedarf neu positioniert werden.

Und wenn man das Homeoffice doch mal komplett verstecken möchte, eignet sich nichts besser als ein Paravent. Zumal, wenn er so schön gestaltet ist wie der Entwurf «Feng» der Turiner Gruppe Testatonda für den Hersteller Gebrüder Thonet Vienna. Das Design wurde von dem japanischen Konzept Shibumi – «diskrete Schönheit» – inspiriert. Der Rahmen aus lackiertem Holz ruht auf markanten Messingfüssen, während der mittlere, mit Stoff bespannte Flügel sich fast wie im Wind bläht.

Die heimischen Arbeitsplätze sollen sich stilvoll in den Lebensraum integrieren.