Immobilienmarkt

Schweizer halten am Traum vom Wohneigentum fest

Trotz historisch hohem Angebot werden Eigentumswohnungen in der Schweiz 2025 schneller verkauft als im Vorjahr.

von Adrian A. F. Spiess

MSc Economics, Volkswirtschafter beim HEV Schweiz

von Fabian Korn

Senior Communication Manager SMG Swiss Marketplace Group AG

von Maria Grünenfelder

Stv. Leiterin Swiss Real Estate Institute

Eigentumswohnungen bleiben trotz Rekordangebots an Inseraten gefragt und werden 2025 gar wieder schneller verkauft. Das Wachstum des Angebots hat sich zuletzt jedoch deutlich verlangsamt, wobei die Entwicklung regional unterschiedlich verläuft. Das zeigt die neueste Online Home Market Analysis von ImmoScout24 und dem HEV Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Swiss Real Estate Institute.

Der Aufwärtstrend beim Angebot an Eigentumswohnungen setzt sich auch 2025 fort, und mit rund 101 000 inserierten Objekten ist ein neuer Höchststand erreicht. Gleichzeitig verliert das Wachstum im Vorjahresvergleich deutlich an Schwung. Anders als noch 2024 verkürzt sich 2025 jedoch parallel die durchschnittliche Insertionsdauer, konkret um acht Tage auf 84 Tage. Damit liegt sie zwar weiterhin über dem Niveau früherer Jahre, allerdings unter dem Spitzenwert von 2024.

Diese Entwicklung dürfte im Zusammenhang mit dem veränderten Zinsumfeld stehen: Seit 2024 sind die Finanzierungskosten gesunken, und Banken zeigen 2025 teilweise wieder eine höhere Bereitschaft zur Vergabe von Hypotheken. Ebenso spielt das Bedürfnis nach einer langfristig gesicherten Wohnsituation eine Rolle. Wohneigentum bietet im Vergleich zum Mietverhältnis mehr Stabilität und gewinnt damit für viele Haushalte auch als finanzielle Absicherung wieder an Bedeutung.

Für Markus Meier, Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes, zeigen die Studienergebnisse, dass der Wunsch nach Wohneigentum in der Schweiz ungebrochen ist: «Dass Eigentumswohnungen trotz des grossen Angebots wieder schneller verkauft werden, ist ein deutliches Zeichen. Schweizerinnen und Schweizer wollen in den eigenen vier Wänden wohnen. Erfreulicherweise ist der Traum vom Wohneigentum für viele Menschen nach wie vor realisierbar. Die Politik muss aber sicherstellen, dass dies auch in Zukunft so bleibt und dass breitere Bevölkerungsschichten, insbesondere junge Familien, wieder einen besseren Zugang zu Wohneigentum haben.»

Geringere Unterschiede bei Insertionsdauer

Auch regional verkürzt sich die Vermarktungsdauer bis auf zwei Ausnahmen in sämtlichen Gross- und Subregionen. Besonders ausgeprägt ist dies in der Region Tessin der Fall (minus 37 Tage), während einzig Prättigau Davos (plus 16 Tage) und Engadin (plus 13 Tage) einen Anstieg verzeichnen. Die Zentralschweiz, Zürich und Genf bleiben die Regionen mit der kürzesten Vermarktungsdauer. Allerdings hat sich die Schere zwischen den Regionen mit kurzer und jenen mit langer Vermarktungsdauer deutlich verkleinert.

Für Martin Waeber, Managing Director Real Estate bei der SMG Swiss Marketplace Group, bewegt sich der Markt 2025 wieder in Richtung Gleichgewicht: «Dass sich die Vermarktungsdauer trotz weiterhin hohen Angebots verkürzt, zeigt, dass die Nachfrage in der Schweiz ungebrochen und robust ist. Wer heute sein Wunschobjekt entdeckt, entscheidet sich wieder schneller – selbst bei grossem Angebot. Die Nachfrage bleibt hoch, und gut positionierte Objekte finden weiterhin rasch eine Käuferschaft.» Gleichzeitig verändert das breite Angebot das Verhalten der Käufer: «Sie vergleichen mehr und prüfen genauer. Für Anbieter bedeutet das nicht weniger Nachfrage, aber mehr Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Entscheidend ist, wie gut eine Immobilie präsentiert wird und ob sie dadurch den richtigen Menschen erreicht.»

Nachfrage im Tessin hoch, andernorts rückläufig

Die Kombination der Veränderungen bei der Insertionsdauer und der Anzahl der Online-Inserate erlaubt Rückschlüsse auf die Nachfrage nach Eigentumswohnungen. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Tessin: Trotz eines deutlichen Anstiegs der Anzahl Inserate (plus 10 %) zwischen 2024 und 2025 verkürzt sich die Insertionsdauer markant (minus 22 %). Entsprechend kann von einer merklich gestiegenen Nachfrage in dieser Region gesprochen werden. Demgegenüber stehen insbesondere die Subregionen Prättigau Davos und Engadin, wo eine umfangreiche Verlängerung der Insertionsdauer nicht auf ein grösseres Angebot zurückgeführt werden kann. 2025 zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Während die Nachfrage in der Schweiz insgesamt steigt, sind regional auch Rückgänge zu beobachten.

Für Peter Ilg, Studienleiter sowie Leiter des Swiss Real Estate Instituts, ist insbesondere die Entwicklung des Angebots bemerkenswert: «Seit Studienbeginn 2016 wurden noch nie so viele Eigentumswohnungen ausgeschrieben.» Dies lasse sich nicht durch Neubautätigkeit erklären, im Gegenteil: «Angesichts der rückläufigen Baugesuche in den vergangenen Jahren dürfte ein grosser Teil des Angebots aus dem Bestand stammen.» Für Ilg erklärt sich die Zunahme auch mit der steigenden Alterung der Bevölkerung. Gleichzeitig sei es aufgrund der gestiegenen Preise für einzelne Erben oft nicht mehr möglich, ihre Geschwister auszuzahlen und das Objekt der Eltern zu übernehmen. Dadurch bleiben weniger Eigentumswohnungen in Familienbesitz, und mehr Bestandsobjekte kommen auf den Markt.

Über die Studie

Bei der Online Home Market Analysis handelt es sich um eine halbjährlich erscheinende Analyse, die alternierend den Markt für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser betrachtet. ImmoScout24 sowie der HEV Schweiz publizieren die Analyse in Zusammenarbeit mit dem Swiss Real Estate Institute der Hochschule für Wirtschaft Zürich.