Schlafzimmer

Schön ausgeschlafen

Vom schlichten Holzgestell bis zum opulenten Polsterbett, von zarten Naturtönen bis zu kräftigen Mustern. Neue Betten und Textilien zeigen, wie sich Komfort, Funktionalität und gutes Design verbinden lassen.

von Andrea Eschbach

Journalistin, Zürich

Das Schlafzimmer führt in vielen Wohnungen ein Schattendasein. Schliesslich bekommt es kaum jemand zu Gesicht, ausser seinen Bewohnern. Dabei verbringen wir hier rund einen Drittel unseres Lebens. Grund genug also, dem Raum etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken – zumal das Bett längst nicht mehr nur zum Schlafen dient. Hier wird gelesen, gefrühstückt, Musik gehört oder einfach mal nichts getan. Entsprechend vielseitig präsentieren sich die neuen Betten. Und auch bei den Textilien tut sich einiges.

Bitte anlehnen!

Ein Trend ist kaum zu übersehen: Die Kopfteile werden höher, weicher und immer öfter zum eigentlichen Blickfang. So etwa beim neuen Boxspringbett «Artemis Organic» (12) des Schweizer Herstellers Riposa. Sein grosszügiges, gepolstertes Kopfteil wird von einem skulpturalen Rahmen eingefasst. Woll-Bouclé und feine Lederdetails unterstreichen den wohnlichen Charakter. Gefertigt wird das Bett im Glarnerland, wobei sich Stoffe, Lederdetails und Füsse individuell kombinieren lassen.

Auch das Modell «Slim Quilt» (8) des Bettsystems MD13 von Möller Design setzt auf textile Qualitäten. Die regelmässige vertikale Steppung zieht sich über Kopfteil und Bettrahmen und verleiht den Polsterflächen eine reliefartige Struktur. Je nach Lichteinfall entstehen feine Schatten. Wird auch der Sockel mit Stoff bezogen, wirkt das Bett wie aus einem Guss. Ohne Bezug scheint der Rahmen dagegen beinahe zu schweben.

Dass ein Bett durchaus Präsenz zeigen darf, beweist «Belloalto» (7) des italienischen Herstellers Bonaldo. Die Designer Gabriele und Oscar Buratti haben ihm ein besonders hohes Kopfteil und einen kräftigen Rahmen mit sanft gerundeten Kanten gegeben. Dazu passt der Nachttisch «Isabey», dessen gebogenes Holz und filigranes Metallgestell einen reizvollen Kontrast bilden.

Schlicht schön

Nicht jeder mag es so opulent. Schlichte Formen und flexible Lösungen haben ebenfalls Konjunktur. Der Berner Designer Martin Schenk hat für Micasa das modulare Bettsystem «Uno» (1) entworfen. Es besteht aus einzelnen Elementen, die sich austauschen und neu zusammenstellen lassen. Auch passende Nachttische gehören dazu. Das System bietet mit dreizehn Farbtönen reichlich Spielraum – von dezentem Ton-in-Ton bis zu kräftigen Kontrasten. Gefertigt wird es in der Zentralschweiz.

Einen ähnlichen Gedanken verfolgt der deutsche Hersteller Sudbrock mit seinem Schlafzimmerprogramm «Goya+» (10). Unterschiedliche Betthöhen und -breiten, Kopfteile, Konsolen und Nachttische lassen sich nach dem Baukastenprinzip kombinieren. Über 40 Lack- und Holztöne stehen zur Wahl. Wer es dagegen ganz unkompliziert mag, findet bei Ikea mit «Storklinta» (11) den Nachfolger des bekannten «Malm»-Betts: geradlinig, funktional und ohne sichtbare Beschläge.

Das Berliner Label Room in a Box zeigt, dass ein Bett nicht zwingend aus Holz oder Metall bestehen muss. Seine Bettgestelle werden aus Wellpappe gefertigt, die zu grossen Teilen aus Recyclingmaterial besteht. Dank einer ausgeklügelten Faltkonstruktion kommen sie ohne Lattenrost aus. Das Modell «Bett 2.0» (9) lässt sich wie eine Ziehharmonika auseinanderziehen und in der Breite anpassen.

Stoff für schöne Träume

So wichtig das Bettgestell auch sein mag: Erst die Textilien machen das Schlafzimmer richtig wohnlich. Sie bringen Farbe und Struktur ins Spiel und lassen sich wesentlich einfacher austauschen als das Mobiliar. Dass Bettwäsche keineswegs immer weiss, beige oder grau sein muss, beweist die Schweizer Textildesignerin Sonnhild Kestler. Ihre Entwürfe für Micasa (3) leben von einem spielerischen Umgang mit Farben und Mustern. Die Bettwäsche aus Bio-Perkal bringt frischen Wind in den Raum, ohne dass gleich neu möbliert werden muss.

Spannend sind auch neue Materialien. Das Schweizer Label Lavie verwendet für seine Bettwäsche «Liam» (5) ein Gewebe aus je 50 Prozent Bio-Baumwolle und Bananatex. Letzteres wird aus den Fasern der Abacá-Pflanze gewonnen, einer Bananenart, die auf den Philippinen wächst.

Eine Extraportion Gemütlichkeit

Mit den kürzer werdenden Tagen wächst die Lust, sich morgens noch einmal umzudrehen. Ein weiches Plaid am Fussende, ein paar zusätzliche Kissen – und schon verändert sich die Atmosphäre. Lavie etwa setzt beim neuen «Endo»-Plaid (4) auf Merinowolle und ein grafisches Leopardenmuster. Die gebürstete Oberfläche sorgt für eine flauschige Haptik. Zur Herbst- und Winterkollektion von Schlossberg gehören die Zierkissen «Elodie» (2) aus Baumwollsamt sowie das Bouclé-Plaid «Sora» (6) in zurückhaltenden Naturtönen.

Ob farbenfroh oder zurückhaltend, minimalistisch oder üppig gepolstert: Ein stimmiges Schlafzimmer braucht kein durchgestyltes Gesamtkonzept. Oft reichen wenige gut gewählte Stücke, angenehme Materialien und ein bisschen Mut zur Persönlichkeit. Schliesslich soll man sich hier vor allem eines können: fallen lassen.