«Zusammenhalt durch Vielfalt / Cohésion grâce à la diversité / Coesione attraverso la pluralità / Coesiun tras diversitad»: Dieses Leitmotiv hat mich durch mein Präsidialjahr 2024 / 25 begleitet. Vielfalt und Zusammenhalt bedingen sich – das eine ist ohne das andere in unserem Land nicht möglich.
Am 2. Dezember 2024 wurde ich zur Nationalratspräsidentin gewählt. Das Vertrauen meiner Kolleginnen und Kollegen hat mich tief berührt und verpflichtet. Von Beginn an war mir wichtig, die Ratsleitung mit Ruhe, Fairness und Offenheit zu führen – und, so hoffe ich, (fast) fehlerfrei.
In einem solchen Jahr gibt es viele Ereignisse, die mir in Erinnerung bleiben werden. Die Leitung der Bundesratswahlen in der Frühjahrssession war sicher einer der besonders eindrücklichen Momente: Martin Pfister zur Wahl zu gratulieren und Viola Amherd für ihren grossen Einsatz zu danken, bleibt unvergesslich. Ebenso das Auflegen eines Kondolenzbuchs in der Herbstsession, als wir uns von Fredi Heer verabschiedet haben. Eine spontane Idee, die im Rat viel Resonanz fand. Solche Augenblicke erinnern daran, wie nah Politik und Menschlichkeit beieinanderliegen.
Besonders wichtig waren mir auch die Begegnungen ausserhalb des Bundeshauses. Ob an traditionellen Anlässen in allen Landesteilen oder auf meinen Reisen – überall traf ich Menschen, die mit Leidenschaft und Innovationskraft Verantwortung übernehmen. Auf meiner Delegationsreise nach Japan stand die Vertiefung der Beziehungen in Handel, Forschung und Technologie im Zentrum. Ein Beispiel gelebter Vielfalt über Grenzen hinweg.
Am 15. Mai 2025 feierten wir in Lausanne 150 Jahre Bundesgericht – ein Pfeiler unserer Demokratie. Und am 21. Juni durfte ich in Blatten die Solidarität der Bundesversammlung überbringen. Die Schicksale vor Ort haben mich tief bewegt. Zusammenhalt zeigt sich dort, wo Menschen füreinander einstehen.
Meine Reise in die Ukraine Anfang Juli führte mich nach Kiew, Charkiw und Winnyzja. Dort habe ich Menschen getroffen, die trotz unvorstellbarer Umstände Zuversicht bewahren. Ein eindrückliches Zeichen von Mut und Hoffnung.
In der Schweiz führten wir den Dialog weiter: Bei der Konferenz im Aargau über Vertrauen in Parlamente und in Genf, wo ich an der Weltkonferenz der Parlamentspräsidien die Anliegen der Woman Speaker Conference vorstellen durfte. Überall zeigte sich: Parlamente können Brücken bauen, global wie lokal.
Und ja, es gab auch Heiterkeit: Als ich in der Sommersession eine Abstimmung vergass, spendierte ich 63 Glaces. Manchmal ist Humor die schönste Form des Zusammenhalts.
Am 1. Dezember 2025 wurde ich im Parlament verabschiedet und übergab die Leitung an Pierre-André Page. Ich blicke dankbar zurück – auf Vertrauen, Zuspruch und Begegnungen. Nun freue ich mich darauf, mich wieder ganz meiner Arbeit als Nationalrätin zu widmen. Sei dies in der Sicherheitspolitik, für das Wohneigentum oder für meine weiteren Engagements – und dabei etwas mehr Zeit für meine Familie zu haben.
«Zusammenhalt zeigt sich dort, wo Menschen füreinander einstehen.»









