Solarstrom

Mehr Eigenverbrauch dank Stromverbund

Seit Anfang Jahr stehen drei verschiedene Modelle zur Auswahl, mit denen sich Solarstrom lokal vermarkten lässt: ZEV, vZEV und LEG. Sie ermöglichen es, den Eigenverbrauch und damit auch die Wirtschaftlichkeit der eigenen PV-Anlage zu erhöhen.

von Remo Bürgi

Faktor Journalisten

Dank des starken Photovoltaik-Zubaus der vergangenen Jahre erreicht der Solarstrom gemäss dem Branchenverband Swissolar heute bereits einen Anteil von gut 14 Prozent am Strom-Endverbrauch in der Schweiz. Das Gebot der Stunde lautet «Eigenverbrauch»: Je mehr vom selbst erzeugten Strom man selbst verbraucht, desto weniger muss man zu den vorgegebenen Konditionen des Verteilnetzbetreibers ins Netz einspeisen – und man spart zusätzlich Geld, weil sich der Bezug von Netzstrom reduziert.

Verbraucher integrieren

Wie aber gelingt es, den erwünschten hohen Eigenverbrauch zu erreichen? Klar ist: Mit Kochen und Waschen zur Mittagszeit allein hat man das Potenzial nicht ausgeschöpft. Wichtig ist, grosse Stromverbraucher wie Wärmepumpe, Warmwasserboiler oder Elektroauto intelligent zu steuern. Diese beziehen viel Strom und können ihn obendrein flexibel abnehmen – nämlich dann, wenn die Solaranlage viel Strom erzeugt. Einen positiven Einfluss auf den Eigenverbrauch hat ferner der Einbau eines Batteriespeichers, weil sich dadurch überschüssiger Solarstrom kurzzeitig zwischenspeichern und später bei Bedarf nutzen lässt. Allerdings benötigt nicht jede Immobilie solche Verbraucher – und nicht alle Eigentümerschaften können und wollen die erforderlichen Investitionen stemmen.

Was ist möglich?

Wer dennoch mehr Strom vor Ort verbrauchen statt ins Netz einspeisen will, hat eine Alternative: die Teilnahme an einem lokalen Stromverbund. Davon gibt es drei Modelle: Den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV), seit Anfang 2025 den virtuellen ZEV (vZEV) und seit Anfang 2026 die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG). Sie unterscheiden sich primär punkto Ausdehnung:

ZEV: Über einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch kann man seinen Solarstrom an andere Parteien verteilen. Voraussetzung ist, dass diese über denselben Hausanschluss ans Stromnetz angebunden sind. Klassischerweise schliessen sich daher verschiedene Parteien in einem Mehrfamilienhaus zusammen und nutzen gemeinsam den Strom der gebäudeeigenen Solaranlage. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass ZEV-Strom nicht teurer sein darf als Strom aus dem öffentlichen Netz.

vZEV: Eine Erweiterung dazu ist der virtuelle ZEV. Er ermöglicht, dass sich Stromerzeuger und -bezüger aus benachbarten Gebäuden zusammenschliessen. Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmenden über denselben Anschlusspunkt (z.B. Verteilkabine) ans Stromnetz angebunden sind.

LEG: Der Stromverbund mit der grössten räumlichen Ausdehnung ist die lokale Elektrizitätsgemeinschaft, welche die Nutzung des öffentlichen Netzes gegen eine reduzierte Gebühr erlaubt. Dabei können sich grundsätzlich beliebig viele Strombezüger zusammenschliessen, sofern sie sich auf derselben Stromnetzebene befinden, in derselben politischen Gemeinde liegen und denselben Verteilnetzbetreiber haben. Ein oder mehrere ZEV können Teil einer LEG sein. Dies erlaubt es, dass sich ganze Quartiere, Stadtteile oder kleinere Ortschaften in einem Stromverbund zusammenschliessen.

Verbundmodelle fürs Einfamilienhaus

Zu beachten ist, dass sich je nach Ausgangslage ein anderes Verbundmodell besser eignet. Wer den Eigenverbrauch der Solaranlage seines Einfamilienhauses erhöhen möchte, sollte zuerst prüfen, ob sich «inhouse» Verbraucher wie eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto respektive ein Batteriespeicher integrieren lassen. Ob sich darüber hinaus die Gründung respektive die Teilnahme an einem Stromverbund lohnt, hängt von der Grösse der Solaranlage ab. Denkbar wäre ein ZEV, sofern eine private Stromleitung zu einem Nachbargebäude besteht oder mit geringen Kosten erstellt werden kann – das dürfte jedoch selten der Fall sein.

Die bessere Lösung ist bei Einfamilienhäusern meist die Gründung respektive Teilnahme an einem vZEV, weil dabei die Anschlussleitung für den Stromtransport zu benachbarten Liegenschaften (ohne Entgelt an den Netzbetreiber) genutzt werden darf. Welche wirtschaftlichen Vorteile das bieten kann, zeigt das fiktive Beispiel eines typischen Einfamilienhauses in der Gemeinde Münchenbuchsee (BE), vorgerechnet von Peter Hüsser. Er ist Gründer und CEO eines Energieberatungsunternehmens und Experte für Stromverbünde bei Primeo Energie. Die Photovoltaikanlage des Gebäudes erzeugt jährlich rund 10 000 Kilowattstunden Solarstrom, wovon aber nur etwa 30 Prozent vor Ort genutzt werden können. Den restlichen Strom muss die Eigentümerschaft ins Netz zurückspeisen – bei einer Vergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde. Die Amortisation der Solaranlage würde bei diesen Konditionen 14 Jahre dauern.

Schliesst sich die Eigentümerschaft jedoch mit einem Nachbarn zu einem vZEV zusammen und beliefert diesen mit seinem Strom, kann sie ihm pro Jahr rund 3000 Kilowattstunden zu einem attraktiveren Preis von 24 Rappen pro Kilowattstunde verkaufen. Für den Nachbarn lohnt sich das, weil er so weniger zahlt als für den Netzstrom, der ihn 30 Rappen pro Kilowattstunde kostet. Die Eigentümerschaft der Solaranlage wiederum erhält für jede Kilowattstunde 18 Rappen mehr, als wenn sie den Strom ins Netz einspeisen würde. Pro Jahr sind das mehr als 500 Franken an zusätzlichen Einnahmen, was die Amortisationszeit der Solaranlage von 14 auf etwa 8 Jahre senkt. Schliessen sich dem vZEV weitere Bezüger an, wird die Wirtschaftlichkeit noch besser.

Verschiedene Faktoren

Es gibt eine Reihe von Kriterien, die Eigentümerschaften berücksichtigen sollten, wenn sie das passende Stromverbundmodell suchen. Aus technischer Sicht ist vor allem zu prüfen, ob man mit möglichen Strombezügern über eine private Stromleitung verbunden ist oder über das öffentliche Netz. Für das Messwesen und die Abrechnung braucht es zudem geeignete Stromzähler – private Zähler bei einem ZEV, Smart Meter oder private Zähler bei einem vZEV. Zu beachten sind auch die Ertrags- und Verbrauchsprofile: Private Haushalte benötigen meist Strom zu ähnlichen Zeiten, während beispielsweise ein Gewerbebetrieb oft einen konstanteren Bedarf hat. Ein Verbrauchsmix aus Haushalten und Gewerbe ist darum meist besonders attraktiv.

Ein wichtiger Aspekt ist ferner der administrative Aufwand, der für das Aufgleisen und den Betrieb eines Stromverbunds notwendig ist, insbesondere für das Messwesen und die Abrechnung. Je mehr Teilnehmende ein Verbund hat, desto aufwendiger sind diese Aufgaben üblicherweise. Das bedeutet: ZEV und vZEV dürften für Solaranlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern in den meisten Fällen die beste Option sein. Es gibt inzwischen auch verschiedene Anbieter, welche die Organisation eines Stromverbunds übernehmen – wofür sie natürlich entschädigt werden müssen.

Wachsendes Interesse an Stromverbünden

Es gibt also viele verschiedene Faktoren, die für die Wahl des passenden Stromverbunds zu berücksichtigen sind. Klar ist: Ihre Vorteile überzeugen. Die Anzahl der Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch nimmt rasch zu, wie Zahlen verschiedener Energieversorger belegen. Die BKW beispielsweise schätzt, dass in ihrem Netzgebiet Ende 2025 rund 4000 ZEV aktiv waren. Jedes Jahr kommen ungefähr 550 Neuanmeldungen hinzu. Auch vZEV erfreuten sich bereits einiger Beliebtheit: Etwa 180 Gründungen verzeichnete der Berner Stromkonzern im letzten Jahr – dem ersten, in dem das möglich war. Ähnlich sieht es in der Zentralschweiz bei der CKW aus: Seit Anfang 2025 wurden in ihrem Versorgungsgebiet rund 220 vZEV mit insgesamt rund 1000 Teilnehmenden registriert.

Hilfsmittel und Inspiration

Wer die Wirtschaftlichkeit seiner Solaranlage optimieren will, sollte die Möglichkeit eines Stromverbunds auf jeden Fall näher prüfen. Weitere Informationen und Entscheidungsgrundlagen sowie gelungene Projekte und Rechenbeispiele finden sich auf der Website von EnergieSchweiz sowie anderen Plattformen (siehe Box).

Weitere Informationen zum Thema

Hier geht es zum Artikel «Solar, lokal, clever» von EnergieSchweiz:

 

Details zu Stromverbünden: lokalerstrom.ch

 

LEG-Check: leghub.ch

 

Website von EnergieSchweiz: energieschweiz.ch