Ratgeber Tiere

Katzen kastrieren – der eigenen Katze und allen Katzen zuliebe

Die Kastration von Katzen hat viele Vorteile – für Tier und Mensch. Welche das sind, erläutert Tierexpertin Esther Geisser im Beitrag.

von Esther Geisser

Präsidentin Network for Animal Protection

In der Schweiz leben schätzungsweise zwei Millionen Katzen. Während ein Teil von ihnen das Leben als behütetes Haustier geniesst, wird ein anderer Teil von ihren Tierhaltern sträflich vernachlässigt. Und ein weiterer Teil der Katzen lebt, ohne dass man sie wirklich wahrnimmt, gänzlich auf sich allein gestellt. Die Tierheime sind regelmässig überfüllt. Und auch wenn kaum jemand darüber spricht, so werden leider auch in Schweizer Tierheimen laufend Katzen getötet, weil sie niemand will: manchmal, wenn sie als «schwer vermittelbar» gelten, meistens aber einfach, weil mittlerweile eine regelrechte Flut von Gratis-Kätzchen besteht, die man an jeder Ecke und im Internet für kein Geld bekommt.

Es gibt immer noch viel zu viele Leute, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen. Dabei hat die Kastration der Katze für alle nur Vorteile:

Eindämmung ansteckender Krankheiten: Viele Katzenkrankheiten wie z. B. FIV (Feline Immunodeficiency Virus, auch Katzenaids genannt), FeLV (Feline Leukemia Virus, auch Leukose genannt) oder FPV (Feline Parvovirus oder Katzenseuche) werden hauptsächlich durch den Deckakt und durch Bissverletzungen übertragen. Vor allem weibliche Tiere, die vom Kater während des Aktes per Biss am Genick fixiert werden, können durch Verletzungen Infektionen davontragen. Verletzungen werden vor allem auch bei Revierkämpfen verursacht. Durch die Kastration fallen diese Risiken weg. Da kastrierte Katzen nachweislich ausgeglichener und weniger aggressiv sind, werden generell weniger Beissereien provoziert, womit sich die Gefahr einer Ansteckung weiter reduziert.

Weniger hormonelle Erkrankungen: Werden die Tiere frühzeitig kastriert, besteht kaum mehr das Risiko von hormonellen Erkrankungen wie Zysten, Gebärmutterentzündungen, Gebärmuttervereiterungen, Gesäugetumore bei der weiblichen Katze und Prostataprobleme beim Kater.

Senkung des Unfallrisikos: Kastrierte Katzen streunen weniger. Sie haben verkleinerte Reviere und überqueren weniger Strassen, weil sie keine Partner suchen. Dadurch sinkt das Unfallrisiko massiv.

Keine Schwangerschafts- und Geburtsrisiken: Schwangerschaft und Geburt bergen zahlreiche Gesundheitsrisiken für Mutter und Babys, die unentdeckt zum qualvollen Tod der Tiere führen können. Die nötige tierärztliche Versorgung verursacht hohe Kosten. Ein Notkaiserschnitt beispielsweise ist dreimal so teuer wie eine Kastration. Kann die Mutter die Kitten nicht selbst versorgen, müssen diese über eine längere Zeit Tag und Nacht versorgt werden, was sehr viel Zeit, Wissen und Willen erfordert und leider nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

Vorteile für den Menschen: Kastrierte Katzen zeigen keine Rolligkeitsymptome (z. B. lautes Schreien, häufiges und übelriechendes Harnmarkieren, verstärkte Revierkämpfe). Sie haben ein vermindertes Bedürfnis zu streunen, zeigen weniger Aggressionen, und oft wird auch eine stärkere Menschbezogenheit festgestellt.

Weitere Vorteile: Die hohe Populationsdichte der Katzen sorgt für Kritik. Man macht gerne auch die Katzen für den Artenrückgang verantwortlich und verdrängt die durch den Menschen verursachten grösseren Gründe dafür. Unabhängig davon, wie gross der Beitrag der Katzen wirklich ist, würde sich dieses Risiko mit einer Kastration rein rechnerisch bereits merklich reduzieren lassen, weil die Population der Katzen sinkt. Ferner paaren sich kastrierte Katzen nicht mit den geschützten Wildkatzen und tragen somit auch nicht zur Vermischung des Genpools dieser Art bei.

Und zum Schluss sollte noch mit einem gern gehörten Mythos aufgeräumt werden: Die Fortpflanzung ist für Katzen weder aus medizinischer noch aus verhaltensphysiologischer Sicht notwendig. Deshalb ist vielmehr die Kastration gelebter Tierschutz!