Der Doppel-Wohnblock wurde um 1970 erbaut und liegt im Madretsch-Quartier, etwas westlich der Bieler Altstadt. In den zwei Baukörpern befinden sich insgesamt 42 Wohneinheiten. Sie sind mit Deckenheizungen ausgerüstet. Das interessante Konzept tauchte während der Hochkonjunktur auf, verschwand aber wieder relativ schnell. Denn die Deckenheizung der einen Partei ist faktisch die Fussbodenheizung der darüber wohnenden Partei – technisch ist das auch einfacher zu lösen.
Gas statt Öl
Für die Wärmeerzeugung der zwei Liegenschaften stand im Untergeschoss eine Ölheizung mit 217 Kilowatt Leistung im Einsatz. Diese näherte sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Deshalb beauftragten die Verwaltungen der zwei Blocks die Franconi + Grob AG, eine neue Lösung zu finden. Michel Feuz, Abteilungsleiter Heizung, übernahm die Abklärungen: «Bei Bestandesbauten ist das oft etwas anspruchsvoller, denn nicht jeder Energieträger ist überall verfügbar. In einem ersten Schritt haben wir deshalb den Umstieg von Öl auf Gas abgeklärt.» Wie sich zeigte, verläuft in der Quartierstrasse vor den zwei Blocks eine Gasleitung des lokalen Versorgers Energie Service Biel/Bienne (ESB).
Von dieser bestehenden Leitung aus konnte das Haus erschlossen werden. Der neue Gasanschluss führt in den Heizungsraum. Hier steht der primäre Wärmeerzeuger, ein Brennwert-Gaskessel vom Typ Elco Trigon L Plus (Nennleistung 170 Kilowatt, gedrosselt auf 150 Kilowatt). Der neue Kessel ist nicht direkt an die alte Heizung angeschlossen, sondern speist einen Plattenwärmetauscher. Dieser wiederum überträgt die Wärme auf das bestehende Heizsystem. «So vermeiden wir Verschmutzungen durch Sedimente im Heizwasser», erläutert Albano Carballido, zuständiger Verkaufsberater bei Elco. Der Gaskessel ist zudem für die Wassererwärmung zuständig. Dafür steht im Heizraum ein erster Warmwasserspeicher (Volumen 800 Liter). Mit einer Stichleitung wird die Unterstation des Nachbarblocks erreicht. Dort ist ein weiterer Warmwasserspeicher untergebracht (Volumen 800 Liter).
Erneuerbares Trio hilft
Ein reiner 1:1-Ersatz fossiler Heizungen ist im Kanton Bern nicht mehr erlaubt. Deshalb schlug Michel Feuz ein Konzept vor, das auf der Standardlösung 10 der kantonalen Energieverordnung basiert. Hierzu wird der fossile Grundlast-Wärmeerzeuger (also der Gaskessel) mit einem zweiten Wärmeerzeuger ergänzt, der mindestens 25 Prozent der Gesamt-Wärmeleistung erbringen kann. Dieser zweite Wärmeerzeuger muss erneuerbare Energieträger nutzen. Für Erdwärmesonden fehlte der notwendige Platz, eine Pelletheizung war aus logistischen und Platzgründen nicht möglich. Denn der alte Öltank befindet sich nicht im Gebäude, sondern im Erdreich. Eine Umnutzung des Tanks zum Pellets-Lager war deshalb keine Option.
«Aus diesen Gründen haben wir uns für eine Kaskade mit drei aussen aufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpen entschieden», berichtet Michel Feuz. Die drei Maschinen sind auf der Westseite aufgestellt. Hier, zwischen der Aussenmauer des Gebäudes und der Mauer zum Nachbargrundstück, befindet sich ein schmaler Gartenstreifen. Anders als bei den meisten Installationen sind die Wärmepumpen nicht auf Betonfundamenten aufgestellt. Stattdessen sind sie mithilfe einer Stahlkonstruktion ungefähr einen halben Meter über dem Boden platziert. So vermeidet man das Ansaugen von Laub, Tannennadeln oder anderer Biomasse aus dem Garten. Eine Lösung, die sich bewährt, denn auf den Verkleidungen der drei Maschinen ist kein Schmutz zu sehen. «Das macht den Service einfacher und erhöht auch die Leistung und Zuverlässigkeit der Anlage», kommentiert Albano Carballido.
Komplexe Einbindung
Die drei Wärmepumpen laufen im Frühling, Herbst und Winter fast durchgehend und liefern warmes Wasser für die Heizungsunterstützung. Das Warmwasser wird hingegen mit dem Gaskessel aufbereitet. «So können wir die verlangten Temperaturen von mindestens 60 Grad Celsius im Warmwasserspeicher problemlos erreichen und haben keine Probleme mit der Trinkwasserhygiene», sagt Michel Feuz. Die Planung der Anlage war anspruchsvoll, weil einerseits die zwei Wärmeerzeuger (Gaskessel und Wärmepumpen-Kaskade) aufeinander abgestimmt werden mussten. Auch die Hydraulik bot einige Herausforderungen: «Mit zwei Unterstationen, die beide auch der Warmwasseraufbereitung dienen, war die Ausgangslage nicht trivial. Wir konnten die drei Wärmepumpen aber gut einbinden, so dass sie effizient laufen», sagt Albano Carballido.
Die Bauarbeiten begannen im September 2025 und konnten nach einigen Wochen abgeschlossen werden. Nach der Demontage der Ölheizung, dem Abmelden des Erdtanks und den notwendigen Erweiterungen der Elektroinstallation konnten die Komponenten der neuen Heizung eingebracht werden. Ein Thema, das gerade bei älteren Bauten oft für Kopfzerbrechen sorgt, das aber ausnahmsweise schnell erledigt war: Direkt beim Eingang des vorderen Blocks führt eine nicht allzu steile, dafür recht breite Rampe für die Velos nach unten. Dank dieser konnten auch der neue Kessel, die Speicher sowie die weiteren Komponenten relativ zügig eingebracht werden. Während der Bauzeit wurde eine Mobilheizung eingesetzt, damit die Mieterinnen und Mieter nicht auf den gewohnten Komfort verzichten mussten. Die zuständige Immobilienverwalterin berichtet: «Die Bauarbeiten verliefen gut, wir konnten uns jederzeit auf die Beteiligten verlassen. Nach Inbetriebnahme der neuen Heizung waren zu Beginn einige Justierungen nötig, doch nun ist die Mieterschaft sehr zufrieden.»
Interessante Option
Die Weichen für die «Wärmewende» im Heizkeller sind in der Schweiz seit einigen Jahren gestellt. Wie das Beispiel aus Biel/Bienne zeigt, sind auch bei anspruchsvollen Objekten mit hohem Heizwärme- und Warmwasserbedarf gute Lösungen möglich. «Bivalente Heizungen, also Anlagen, die zwei Energieträger nutzen, sind eine interessante Option. Ich denke, dass wir in Zukunft noch viele solcher Projekte umsetzen werden», sagt Michel Feuz. Und Albano Carballido ergänzt: «Um die kantonalen Energiegesetze einzuhalten, braucht es nicht immer eine Lösung mit 100 Prozent erneuerbaren Energieträgern. Auch mit einer bivalenten Anlage kann man die Vorgaben erfüllen und erst noch den CO2-Ausstoss senken.»
Projektdaten
Objekt: Zwei aneinander gebaute Mehrfamilienhäuser (Baujahr um 1970)
Alte Heizungslösung: Ölheizung mit 200 Kilowatt Leistung für Raumwärme und Warmwasser. Wärmeverteilung via zwei Unterstationen.
Neue Heizungslösung: Bivalente Anlage mit Gasheizung Elco Trigon L (170 Kilowatt Leistung, gedrosselt auf 150 Kilowatt) sowie 3 Wärmepumpen Elco Aerotop SX 13 in Kaskade (37,5 Kilowatt Leistung) für Raumwärme. Warmwassererzeugung via Gaskessel. Wärmeverteilung via zwei Unterstationen. 2 Warmwasserspeicher (Volumen 800 Liter) sowie ein Pufferspeicher (Volumen 800 Liter) für Wärmepumpen-Kaskade.






