Tierschutz

Hilfe für Fledermäuse

Man sieht sie in der Dämmerung, wenn sie als lautlose Jäger auf der Suche nach Insekten durch die Luft schiessen. Fledermäuse sind faszinierende Flugakrobaten, die leider immer seltener werden, denn es herrscht akute Wohnungs- und Nahrungsnot.

von Esther Geisser

Präsidentin Network for Animal Protection (NetAP)

Umweltgifte, Zerstörung von Nahrungsgebieten, Lichtverschmutzung sowie der Verlust von Quartieren und Flugrouten bilden die Hauptgründe, warum Fledermäuse heute zu den gefährdeten Arten gehören. Sie sind streng geschützt und dürfen weder gefangen, verletzt noch getötet werden. Auch ihre Brutstätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Fledermäusen Lebensraum im eigenen Garten bieten

Man kann Fledermäusen auf unterschiedliche Weise helfen. Wer einen Garten hat, kann diesen fledermausfreundlich gestalten, indem nachtaktive Insekten durch eine vielfältige einheimische Flora gefördert werden. So finden Fledermäuse einen reich gedeckten Tisch. Ausserdem sollte man auf unnötige Gartenbeleuchtung verzichten. Der Wohnungsknappheit kann man mit Fledermauskästen entgegenwirken, die an geeigneten Standorten aufgehängt werden. Idealerweise lässt man sich für ein solches Unterfangen von einer Fachperson beraten.

Erste Hilfe für Fledermäuse in Not

Gibt es Fledermäuse in der Umgebung, findet man manchmal leider auch ein Tier in Not. Fast immer kann der Patientin nur ein Spezialist helfen. Auf keinen Fall soll und darf man sich selbst in der Pflege versuchen. Fledermäuse sind Wildtiere mit speziellen Bedürfnissen, mit denen sich nur Experten auskennen.

Finden Sie ein verletztes Tier, gehen Sie wie folgt vor:

1. Machen Sie ein Foto. Legen Sie hierfür eine Münze neben die Patientin, und machen Sie von oben ein Bild. Das hilft den Spezialisten, die Grösse zu bestimmen sowie die Art und das Alter einzuschätzen. Sie können Ihnen so schneller eine Aufnahmestelle oder zu ergreifende Massnahmen nennen.

2. Stellen Sie eine kleine Schachtel bereit. Schneiden Sie Luftlöcher von maximal drei bis vier Millimetern in den Deckel.

3. Füllen Sie die Schachtel mit zerknülltem Haushalts- oder Toilettenpapier. Sie sollten damit die Schachtel nicht dicht stopfen, sondern nur locker hineinlegen, damit sich die Fledermaus darunter verstecken kann.

4. Greifen Sie die Fledermaus ganz vorsichtig mit dicken Handschuhen (Verletzungsgefahr!), und legen Sie das Tier in die Schachtel.

5. Verschliessen Sie die Schachtel mit Klebe- oder Gummiband. Sie muss fest verschlossen sein, da kleine Fledermäuse durch die schmalsten Spalten entwischen können.

6. Rufen Sie die Notfallnummer an, und lassen Sie sich die nächste Aufnahmestelle nennen.

7. Dauert es länger als zwei Stunden bis zur Übergabe, stellen Sie bis zum Transport etwas Wasser in die Schachtel. Hierfür reicht ein PET-Flaschendeckel gefüllt mit Wasser.

8. Die Schachtel sollte bis zur Übergabe an einem ruhigen, dunklen und kühlen Ort aufbewahrt werden.

Wichtig für die Biodiversität

Fledermäuse sind ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität. Sie ernähren sich von Insekten und vertilgen dabei auch sehr viele sogenannte Schädlinge. Damit tragen sie wesentlich zu einer Senkung des Pestizideinsatzes bei. Es lohnt sich für die Tiere, die Natur und uns alle, Fledermäuse zu schützen.

Hilfe im Notfall

Die Fledermaus-Notfallnummer lautet:

+41 (0) 79 330 60 60

Ratgeber Tiere

Autorin Esther Geisser schreibt für diese Zeitung regelmässig Ratgeber und Fachartikel zu verschiedenen Aspekten der Tierhaltung und des Tierschutzes.

Esther Geisser ist Präsidentin und Gründerin von Network for Animal Protection (NetAP, netap.ch). Sie ist Juristin, hat ein Diplom als Verhaltenstherapeutin für Kleintiere (I.E.T), ist Mitglied der VIETA und hat die FBA für Betreuungspersonal in Tierheimen inkl. Praktikum erfolgreich absolviert. Im Tierschutz ist sie seit frühester Kindheit aktiv.

Weitere Artikel finden Sie online auf unserer Zeitungswebsite in der Rubrik «Tiere»: der-hauseigentuemer.ch