Das Abenteuer Galapagos beginnt meist unspektakulär – mit einem circa zweieinhalbstündigen Flug von der ecuadorianischen Hafenstadt Guayaquil oder ab Quito zur kleinen Insel Baltra und ihrem Flughafen Seymour. Doch kaum setzt das Flugzeug auf, verändert sich etwas. Die Luft wirkt trockener, das Licht härter. Und noch bevor man das Flughafengebäude verlässt, sind sie da: die rauen, bellenden Rufe der Seelöwen, irgendwo zwischen Begrüssung und Warnung.
Baltra selbst gibt sich als Militärstützpunkt karg. Nichts deutet darauf hin, dass nur wenige Seemeilen entfernt eines der faszinierendsten Naturgebiete der Erde beginnt – ein Archipel aus 13 Hauptinseln, kleineren Eilanden und schwarzen Felsen, geformt aus Feuer und Zeit. Sie sind vulkanischen Ursprungs.
Ein Schritt in eine andere Epoche
Die eigentliche Reise beginnt auf dem Wasser. Das Schiff gleitet durch tiefblaues Meer, das Licht bricht sich in Wellen, und mit jeder zurückgelegten Meile scheint die Welt leiser zu werden. Die Galapagosinseln, Teil des Unesco-Weltnaturerbes, sind kein Ort, den man einfach so besucht. Sie sind ein Zustand. Sie sind ein lebendiges Labor der Evolution, geprägt von vulkanischen Kräften und isolierter Entwicklung.
Der erste Landgang auf North Seymour fühlt sich an wie ein Schritt in eine andere Epoche. Blaufusstölpel tänzeln unbeirrt auf dem staubigen Boden, heben ihre leuchtend hellblauen Füsse wie auf einer Bühne. Fregattvögel schweben darüber, ihre roten Kehlsäcke prall aufgeblasen, als wollten sie das Sonnenlicht einfangen. Dazwischen: Meerechsen, schwarz und reglos, auf erkalteter Lava – wie Relikte aus einer Zeit, als die Erde noch jünger war.
Und der Mensch? Er wird geduldet. Die Regeln sind einfach: Abstand halten, auf den Wegen bleiben. Doch die Tiere kennen keine Angst. Seelöwen wälzen sich neben den Pfaden, Echsen kriechen über Schuhe hinweg, Vögel bauen ihre Nester mitten auf dem Trampelpfad. Es ist eine stille Umkehr der Rollen – hier beobachtet nicht nur der Mensch.
Schwarzes Gestein, türkises Wasser
Weiter südlich erhebt sich Bartolomé. Das Wahrzeichen der Insel, der Pinnacle Rock, ragt wie eine steinerne Nadel aus dem Meer. Der Aufstieg über eine Holztreppe führt durch eine surreale Landschaft aus erkalteter Lava. Oben angekommen eröffnet sich ein Panorama, das zu den meistfotografierten Motiven der Welt gehört: goldene Strände, schwarzes Gestein, türkisfarbenes Wasser.
Und plötzlich gibt es Bewegung: ein Schatten im Pazifik. Ein Galapagospinguin, kaum grösser als ein halber Meter, schiesst pfeilschnell vorbei. Die Tiere jagen mit über 35 Stundenkilometern durchs Wasser und sind aufgrund ihrer kleinen Population von knapp 2000 Individuen vom Aussterben bedroht. Sie leben vor allem an den Westküsten von Isabela und Fernandina.
Die Insel Santiago zeigt die rauere Seite des Archipels. Unter den Füssen knirscht Lavagestein, als würde die Insel noch arbeiten. Salz legt sich auf die Haut, der Wind trägt den Geruch von Algen und Meer. Pelikane gleiten lautlos über die Brandung, während Seelöwen mit spielerischer Eleganz durch die Wellen schiessen.
Ganz anders die Insel Santa Cruz. Hier pulsiert das Leben – zumindest im Vergleich. Sie ist die zweitgrösste, allerdings mit über 17 000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Insel des Archipels. Die meisten leben im Hauptort Puerto Ayora, ein Treffpunkt für Forschende, Reisende und Einheimische. Direkt an der Academy Bay befindet sich die Charles-Darwin-Forschungsstation, benannt nach dem britischen Naturforscher Darwin, dessen Beobachtungen auf den Inseln die Evolutionstheorie revolutionierten. Riesenschildkröten wandern bedächtig durch Aufzuchtstationen. Mit einer Panzerlänge von rund 1,3 Metern und einem durchschnittlichen Gewicht von etwa 300 Kilogramm sind sie stille Zeugen dieser Geschichte – einige von ihnen über 100 Jahre alt.
Höhen, Vulkane und Artenschutz
Im Hochland dagegen verändert sich die Szenerie abrupt. Feuchtigkeit liegt in der Luft, Nebel zieht durch Scalesienwälder, und plötzlich wirkt alles grün, weich, beinahe üppig. Die Zwillingskrater Los Gemelos öffnen sich wie riesige Augen in der Landschaft.
Isabela, die grösste Insel, wirkt wie ein eigener Kontinent und nimmt fast 60 Prozent der Galapagos-Landfläche ein. Vulkane dominieren den Horizont, manche aktiv, andere scheinbar schlafend. Nebel zieht über ihre Flanken, Flamingos stehen reglos in flachen Lagunen, als wären sie gemalt.
Schliesslich führt die Reise nach Floreana, eine Insel voller Geschichten. Von Siedlern, die verschwanden, von Geheimnissen, die nie gelöst wurden. Und von einer einfachen Holzkiste am Strand: ein Postamt ohne Briefmarken. Reisende hinterlassen hier Nachrichten, andere nehmen sie mit – ein leises Versprechen, dass Wege sich kreuzen. Im Februar 2026 wurde auf Floreana ein bedeutender Artenschutz-Erfolg erzielt: die Rückkehr von 158 im Zoo gezüchteten Riesenschildkröten – fast 200 Jahre nach deren Verschwinden. Damals hatten Seefahrer und Walfänger die Schildkröten als lebendigen Proviant gejagt.
Vor der Küste lockt die «Teufelskrone», ein halb versunkener Krater. Unter der Wasseroberfläche gleiten Riffhaie durch Schatten, Schildkröten ziehen vorbei, Schwärme bunter Fische flirren im Licht.
Eine Vielfalt, die den Blick verändert
Die Reise durch die Inselwelt mit ihrem tropisch-gemässigten Klima offenbart, wie unterschiedlich die Eilande sind. Angesichts des Tierreichtums mit Echsen, die wie kleine Drachen aus der Urzeit wirken, wird oft vergessen, dass der Archipel mit Stränden gesegnet ist, die durch weissen Sand und türkisfarbenes Wasser bestechen – und oft menschenleer sind. Die Tortuga Bay auf Santa Cruz oder die Playa Puerto Villamil auf Isabela mit Palmen und kristallklarem Wasser sind besonders malerisch.
Dieses Naturparadies erklärt sich nicht in Zahlen oder Superlativen, sondern im Erlebnis: Wer zu den Galapagosinseln reist, nimmt mehr mit als Erinnerungen. Er gewinnt eine neue Perspektive auf die Welt – und hoffentlich die Erkenntnis, wie schützenswert sie ist.
Die Boutiqueyacht
Die bequemste Art, die Galapagosinseln zu entdecken, ist mit dem Schiff. Der Trimaran «Horizon» wurde 2018 erbaut und ist die einzige Boutiqueyacht, die im Archipel kreuzt. Tatsächlich sieht das weiss getünchte Schiff wie eine Privatyacht aus. Die Kabinen mit privatem Balkon befinden sich auf dem Haupt- und dem Oberdeck und sind jeweils knapp 30 Quadratmeter gross. Sie sind mit grossen Fenstern, individuell regulierbarer Klimaanlage, Bad mit Dusche / WC, Föhn sowie einem Tresor ausgestattet.
Der Trimaran «Horizon» nimmt bei nur acht Kabinen höchstens 16 Gäste auf und fährt seit Mai 2018 durch den Archipel. Ein Sonnendeck, ein Jacuzzi, ausgewiesene Naturführer und ein WLAN an Bord sind weitere Pluspunkte.
Alle Informationen zur Reise finden Sie hier.







