Meier meint

Hätte, könnte, wäre …

von Markus Meier

Direktor HEV Schweiz

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Die aktuelle Jahreszahl 2025 bietet willkommenen Anlass zum Rückblick auf die Entwicklungen im ersten Vierteljahrhundert des neuen Milleniums. Unter dem Motto «heute vor 25 Jahren» sind aber auch Rückblicke auf Ereignisse im Jahr 2000 beliebt. In diesen Tagen wurde uns denn auch medial in Erinnerung gerufen, dass die Schweizerische Nationalbank über zu hohe Goldreserven verfügte – nach dem seinerzeitigen Verständnis beurteilt. Sie begann deshalb in jenem Jahr damit, das «überschüssige» Gold zu veräussern. Der Abbau erfolgte während insgesamt fünf Jahren bis im Mai 2005. Über diesen längeren Zeitraum konnte der Markt die Verkäufe aufnehmen, ohne dass es beim Goldpreis zu unerwünschten Ausschlägen kam.

Selbstverständlich beschäftigten die Erlöse aus diesen Goldverkäufen die schweizerische Politik. Die politischen Lager breiteten ihren ganzen Themenfächer mit den entsprechenden Kosten aus und schrieben lange Wunschlisten. Nach langen politischen Diskussionen und auch einigen Volksabstimmungen lautete die Lösung schlussendlich so: Ein Drittel ging an den Bund und damit in den AHV-Fonds, zwei Drittel erhielten die Kantone, jeweils anteilsmässig nach ihrer Finanzkraft.

An diesen Fakten gibt es heute nichts mehr zu rütteln, offensichtlich aber wohl zu deuteln. So habe ich einem Zeitungsbericht entnommen, dass dieser Goldverkauf «zum ungünstigsten Zeitpunkt» erfolgt sei. Habe der Verkauf seinerzeit 21 Milliarden Franken eingebracht, wäre das gleiche Gold nämlich heute 112 Milliarden wert. Das wäre deshalb «der womöglich teuerste Fehlentscheid der Schweizer Geschichte» gewesen. Und es wird auch nachgerechnet, dass eine alternative Anlage in Aktien das schlechtere Geschäft gewesen wäre.

Zum heutigen Zeitpunkt mit dem heutigen Wissen ist dieser konkrete Vergleich natürlich problemlos möglich. Anstehende Entscheidungen hingegen müssen immer auf der Basis der aktuellen Situation und einer bestmöglichen Einschätzung und Chancen- / Risikobeurteilung der künftigen Entwicklungen gefällt werden. Sie sind deshalb entsprechend anspruchsvoll und unbeliebt – gleichzeitig aber eben auch unabdingbar.

Walter Scheel, ehemaliger deutscher Bundespräsident, sagte dazu passend: «Nichts geschieht ohne Risiko, aber ohne Risiko geschieht auch nichts.» Ergänzen lässt sich dies mit den Worten von Theodore Roosevelt, 26. Präsident der USA: «In jedem Moment der Entscheidung ist das Beste, was Sie tun können, das Richtige; das Nächstbeste ist das Falsche; und das Schlimmste, was Sie tun können, ist nichts zu tun.»