Bauen

Wirksamer Schutz vor Überhitzung

Wirksamer Sonnenschutz beginnt bereits in der frühen architektonischen Planung. Ein früh integriertes, ganzheitliches Konzept steigert die Energieeffizienz und verhindert sowohl das Aufheizen des Innenraums als auch den Kühlaufwand.

von Gerald Brandstätter

Conzept-B

Der sommerliche Hitzeschutz hat sich zu einem disziplinübergreifenden Schlüsselthema entwickelt, das in der frühen Planungsphase von Architektinnen, Architekten und Bauherrschaften mit Weitblick behandelt werden muss. Angesichts zunehmender Hitzebelastungen und dichter Bebauungen reicht es nicht mehr aus, erst im späteren Projektverlauf über Verschattung oder technische Kühllösungen nachzudenken. Vielmehr beginnt der wirksame Schutz vor Überhitzung bereits mit grundlegenden architektonischen und städtebaulichen Entscheidungen, die das Gebäude langfristig prägen.

Ausrichtung, Anordnung und Grösse

Bereits zu Beginn eines Projekts sollte daher hinterfragt werden, wie sich die Orientierung des Baukörpers, die Ausbildung der Fassadenflächen und das Verhältnis zwischen transparenten und opaken Elementen auf das thermische Verhalten auswirken. Die Festlegung des Öffnungsanteils einer Fassade ist nicht nur ein ästhetischer oder funktionaler Entscheid. Grossflächige Fenster sind ein städtebaulicher Eingriff mit direkter Auswirkung auf die Energieaufnahme und den Innenraumkomfort: Fensterflächen, ihre Dimensionierung und ihre konstruktive Ausbildung bestimmen massgeblich, wie stark ein Raum unter Sonneneinstrahlung aufgeheizt wird. Grosse Glasflächen ermöglichen zwar ein hohes Mass an Tageslicht und können architektonische Qualitäten verstärken, sie erhöhen jedoch zugleich die solare Last. Was im Winter erfreulich ist, kann im Sommer zu einer erheblichen Belastung werden. Denn wer hat schon Freude an einem überhitzten Büro oder einer aufgeheizten Wohnung – insbesondere dann, wenn das Kühlen mit hohem technischen Aufwand und massiven Stromkosten zu Buche schlägt? Deshalb ist die Ausrichtung, Anordnung und Grösse im Kontext des umgebenden Stadtraums – etwa im Zusammenspiel mit Verschattungen durch Nachbarbauten oder Vegetation – sorgfältig abzuwägen.

Baulicher Schutz

Massnahmen, die bereits in der Architektur eingeplant wurden, bieten zahlreiche Möglichkeiten, exponierte Glasflächen wirksam zu schützen. Überhängende Vordächer oder tief ausgebildete Laibungen können vor der senkrecht stehenden Mittagssonne schützen. Loggias oder begrünte Rankstrukturen können als passive Verschattungselemente dienen, die den solaren Eintrag bereits vor dem Auftreffen auf die Glasfläche reduzieren. Gleichzeitig tragen solche Elemente zur architektonischen Ausdruckskraft bei und ermöglichen eine Integration des Wärmeschutzes in die gestalterische Gesamtidee. Auch die Materialität der Fassaden spielt eine Rolle: Helle Oberflächen reflektieren einen grösseren Teil der Sonnenstrahlung und können so das thermische Belastungsniveau reduzieren, während speicherwirksame Bauteile Temperaturspitzen zeitlich verschieben und den Innenraum entlasten können.

Sonnenschutzelemente

Neben baulichen Massnahmen stehen zahlreiche bewährte Sonnenschutzelemente zur Verfügung, die gezielt auf unterschiedliche Nutzungsszenarien, Exposition zur Sonne und architektonische Konzepte abgestimmt werden können. Markisen gehören zu den flexibelsten Systemen und erlauben eine dynamische Anpassung an den Sonnenstand. Sie eignen sich besonders für Bereiche, in denen temporäre Abschattung gefordert ist, ohne dass die Sicht nach aussen vollständig verloren geht. Sonnenstoren sind robuste, aussenliegende Verschattungselemente, die je nach Stoff- und Farbwahl sowohl funktional als auch gestalterisch wirksam werden. Ihre Positionierung vor der Glasfläche macht sie thermisch besonders effizient, da die Wärmeeinwirkung bereits ausserhalb des Gebäudes abgefangen wird. Schiebeläden wiederum bieten eine hohe Langlebigkeit und können aus Holz, Metall oder textilen Materialien gefertigt werden. Sie erlauben eine Steuerung von Licht und Sichtbezug und verleihen der Fassade zugleich eine rhythmisierende Schicht, die architektonisch bewusst eingesetzt werden kann.

Die erfolgreiche Anwendung dieser Sonnenschutzelemente hängt stark von ihrer Integration in das architektonische Gesamtkonzept ab. Idealerweise werden sie nicht als nachträglich angesetzte Funktionselemente betrachtet, sondern als Bestandteil der Fassadengestaltung, sodass sie konstruktiv sauber eingebunden sind und im Zusammenspiel mit Materialität, Proportionen und Gebäudekonzept wirken. Eine frühe Auseinandersetzung mit deren Platzierung ermöglicht es, technische Anforderungen wie Befestigungen, Platzbedarf für Führungsschienen oder Stauvolumen für bewegliche Elemente elegant zu lösen. Darüber hinaus kann durch die rechtzeitige Koordination mit Gebäudetechnik, Elektroplanung und Automation sichergestellt werden, dass der Sonnenschutz nicht nur gestalterisch, sondern auch funktional optimal genutzt werden kann.

Sommerlicher Wärmeschutz ist somit ein komplexes Zusammenspiel aus Architektur, Städtebau, Bauphysik und Gestaltung. Wer ihn frühzeitig und ganzheitlich denkt, schafft nicht nur behagliche Innenräume, sondern leistet auch einen Beitrag zur Energieeffizienz und zur klimaangepassten Entwicklung unserer gebauten Umwelt.