Microgrids, auf Deutsch «Mikronetze», ermöglichen Kosteneinsparungen und steigern die Versorgungssicherheit. Bei Microgrids handelt es sich um unabhängige und lokal betriebene Energie-Inseln. Aber was sind ihre Vor- und Nachteile genau? Inzwischen bieten auch intelligente Energiekonzepte Unabhängigkeit für interessierte Hauseigentümer. Hierbei sind lokale, teilautarke Stromnetze – etwa auf Areal- oder Quartierebene – mit eigener Energieerzeugung gemeint. Auf bestimmte Zeit funktionieren die Microgrids auch dann, wenn sie vom Stromnetz getrennt sind. Experten verweisen auf zwei Vorteile: in einem Energie-Verbund geteilte Kosten sowie höhere Effizienz. Doch wie lange funktioniert ein Inselbetrieb ohne Netzanbindung wirklich, und wann rechnet er sich?
Wo die Vorteile überwiegen
Microgrids zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich vom Netz trennen lassen (Inselbetrieb, evtl. Notstrom) und typischerweise mehrere Energiequellen (PV, Speicher, evtl. Boiler und Wärmepumpen) integrieren. Zu einem grossen Teil basieren Microgrids auf Solar-Energie, die direkt vor Ort eingespeist wird. Vorteil: der Strom muss nicht weit transportiert werden. So profitieren besonders Peripheriegebiete von einer deutlich besseren Versorgungssicherheit.
Begrenzter Inselbetrieb
Microgrids beinhalten also die Energieproduktion, eine autarke Speicherung und eine intelligente Steuerung. Sie ermöglichen einen Inselbetrieb, sollte das öffentliche Netz versagen – was ein Vorteil gegenüber sogenannten Smartgrids ist, die ohne Netzanschluss nicht funktionieren. Doch wie lange läuft ein Microgrid allein?
● Ausfallsicherheit: Versorgung im Notstrommodus nur so lange, wie Speicher und Erzeugung reichen.
● Begrenzte Dauer: Je nach Dimensionierung reicht der Inselbetrieb von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen (bei grossen Speichern oder möglichem Backup).
● Technische Abhängigkeiten: Fehlende Sonne oder hoher Verbrauch entleeren die Speicher rasch; ohne koordinierten Netzbezug droht ein schnelles Aus.
● Wartung & Verantwortung: Zusätzliche Komponenten wie etwa Wechselrichter, Speichererweiterungen erhöhen Aufwand und Kosten.
Ausserdem stellt sich die Frage, wer (Eigentümergemeinschaft, Netzbetreiber oder Dienstleister) in einem Störfall wofür zuständig ist. Dies sollte von Anfang an klar geregelt werden. Solange ein Grid am allgemeinen Netz hängt, können Engpässe durch Stromankauf ausgeglichen werden. Im unabhängigen Modus (Off-Grid-Modus) aber entscheidet allein die eigene Infrastruktur (PV-System, Speichergrösse, Lastprofil oder Reservekraftwerke) über die eigene Unabhängigkeit. Es droht allenfalls ein Blackout. Genau hier zeigen sich Stärken und Schwächen von Microgrids. Besonders kritisch ist die alleinige Abhängigkeit von der Photovoltaik (PV), auf der viele Grids basieren. Dies, obwohl sich jedes Grid auf den Verbrauch und die vorhandenen Ressourcen (PV-Dachflächen, Anzahl E-Autos etc.) abstimmen lässt. Diese Modularität von Grids erleichtert auch Infrastruktur-Erweiterungen in der Zukunft. Microgrids bieten für Arealbesitzer weitere Vorteile: Sie sind nicht nur auf lokaler Ebene skalierbar, sondern können auch in grössere Quartiernetze integriert werden.
Aber auch wenn sich Komponenten wie Batteriespeicher oder Notstromaggregate modular ergänzen lassen, könnten Probleme auftreten:
● Überlastungen im Netz: Wenn der erzeugte Strom nicht sofort verbraucht wird.
● Hohe Kosten der Eigenversorgung: Wenn sich die Kosten ohne Förderung kaum rechnen.
Strom ausschliesslich für den Eigengebrauch zu erzeugen, bleibt teuer. Teilweise so kostenintensiv, dass es für die Verbraucher weniger rentabel ist, als Strom vom öffentlichen Netz zu beziehen.
Deshalb könnte sich ein Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (siehe auch Seite 25) mit weiteren Parteien lohnen. Swissolar sieht in den ZEV einen wichtigen Schub für den Solarausbau – insbesondere bei mittelgrossen Anlagen (20 bis 100 kW) , wo bislang wenig passiert sei.
Energie-Inseln mit Zukunft?
Microgrids sind technisch einfach zu verbauen – und im Zuge der Energiewende rücken sie stärker in den Fokus. Zwar scheinen sie komplex, doch sie ermöglichen effizientere Energiesysteme und verbessern mit moderner Technologie (z. B. Smart Meter) Automatisierung und Vernetzung. Am meisten könnten Mehrparteien-Objekte von Neubauten oder Sanierungen profitieren, wo der Effekt von Synergien besonders gross ist. Vorteile können also eine bessere Versorgungssicherheit und langfristig tiefere Energiekosten sein. Gleichzeitig dürfen die Investitionen und der technische Aufwand nicht unterschätzt werden. Ob sich ein Microgrid lohnt, hängt ab von Solarpotenzial, Verbrauchsprofil, Gemeinschaftsstruktur, Fördermitteln und vor allem von der Bereitschaft, gemeinsam in die Energiezukunft zu investieren.
Was ist ein Microgrid?
Ein Microgrid ist ein kleinräumiges Stromnetz, das bei Bedarf vom übergeordneten Netz getrennt im Inselnetz betrieben werden kann. Es integriert lokale Energieerzeuger – etwa Photovoltaikanlagen oder Wärmespeicher – und oft auch Batterien, so dass Stromproduktion und -verbrauch vor Ort im Gleichgewicht gehalten werden können. Diese Lösung sichert die Versorgungszuverlässigkeit: Bei Störungen im Hauptnetz kann sich ein Microgrid «isolieren» und die lokale Stromversorgung für eine gewisse Zeit (siehe «Begrenzter Inselbetrieb») autonom weiterführen. Grids tragen so zu einer effizienteren Nutzung erneuerbarer Energien und einer resilienteren Energieversorgung bei.






