Die in die Jahre gekommene Technologie der Elektroheizung braucht im Vergleich zu einer Wärmepumpe wesentlich mehr Strom und verursacht deshalb hohe Energiekosten. In verschiedenen Kantonen gelten zudem Bestimmungen, dass bestehende Elektroheizungen bis zu einer bestimmten Frist durch erneuerbare Heizsysteme zu ersetzen sind. Dass der Wechsel zu einer effizienten Lösung mit erneuerbaren Energien nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch gelingen kann und dabei den Zusammenhalt in der Nachbarschaft fördert, zeigt das Beispiel einer Reiheneinfamilienhaus-Siedlung im bernischen Lyss. Bis vor wenigen Jahren verfügte jedes der sechs aneinandergebauten Häuser über eine eigene zentrale Elektroheizung und einen eigenen Elektroboiler. Dass diese Geräte über kurz oder lang erneuert werden müssen, war den Eigentümerschaften schon länger klar: Im Kanton Bern gilt eine Sanierungspflicht für Elektroheizungen bis Ende 2031 und für Elektroboiler bis Ende 2042.
Passendes Gesamtkonzept
Eine der Eigentümerinnen schlug vor, dass sich die sechs Nachbarn für eine zentrale Lösung zusammenschliessen könnten. Die Idee fand Anklang, sodass schon bald verschiedene Optionen diskutiert wurden – von der Luft-Wasser-Wärmepumpe über eine Pelletheizung bis hin zu einem Fernwärmeanschluss. Den entscheidenden Anstoss für das letztlich realisierte Projekt gab dann die fundierte Analyse eines Energieberaters im Jahr 2023. «Er empfahl eine gemeinsame Erdsonden-Wärmepumpe mit gleichzeitigem Ersatz der Elektroboiler», erklärt Markus Sahli, der als einer der Eigentümer von Anfang an am Projekt beteiligt war.
Der Energieberater entwickelte für alle sechs Häuser ein stimmiges Gesamtkonzept. Er informierte die Nachbarn über mögliche Förderbeiträge und kümmerte sich um die Bewilligung für die Bohrungen der Erdwärmesonden. Da die Wärmeverteilungen der einzelnen Häuser mit der neuen Zentrale verbunden werden mussten, bestanden anfänglich Bedenken, ob das Nachrüsten zu aufwendigen Bohrungen führen würde. Der Experte konnte diese Vorbehalte jedoch ausräumen. «Rückblickend ist es erstaunlich, wie schnell wir uns in der Nachbarschaft einig waren und uns an die Umsetzung machen konnten», sagt Sahli. «Schliesslich handelte es sich für jede Familie um eine namhafte Investition.»
Die einzige grössere Herausforderung war laut Sahli die Suche nach einem geeigneten Standort für die gemeinsame Wärmepumpe und den Boiler. Schliesslich fand man auch dafür eine Lösung: Neben den Garagen befand sich ein ungenutzter kleiner Spickel, der flächenmässig genau passte. So stand dem Heizungsersatz nichts mehr im Weg.
Tieferer Energiebedarf
Das Projekt wurde ab Frühjahr 2024 – also optimal zwischen den Heizperioden terminiert – in mehreren Etappen umgesetzt. Zunächst bauten die Fachleute die alten zentralen Elektroheizungen aus, ehe sie innerhalb weniger Tage die notwendigen Kernbohrungen durchführten und die neuen Heizungs- und Wasserleitungen unter den Häusern verlegten. Auch neue Wandradiatoren wurden eingebaut. Im Juli folgte das Bohren und Einbauen der drei Erdwärmesonden mit einer Tiefe von je 240 Metern. Als letzter Schritt wurde im August die zukünftige Heizzentrale neben den Garagen erstellt. Ende September 2024 ging die neue Anlage dann auch schon in Betrieb.
Trotz der umfangreichen Arbeiten konnten die sechs Familien während der gesamten Zeit in ihren Häusern wohnen bleiben. Positiv überrascht war Sahli von der sauberen Arbeitsweise: «Ich hatte anfangs Bedenken, dass die Bohrungen zu viel Schmutz führen würden – doch die Firma hat mit Absaugvorrichtungen dafür gesorgt, dass es in den Häusern sauber blieb.»
Die Bilanz der neuen Heizung fällt nach den ersten beiden Betriebsjahren sehr positiv aus. «Die Wärmepumpe ist wirklich eine gute Sache», sagt Sahli. «Der Energieverbrauch liegt rund 70 Prozent tiefer als bei der alten Heizlösung.» Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch das Portemonnaie der Eigentümerschaften. Pro Haus betragen die jährlichen Stromkosten für Heizung und Warmwasser nun ungefähr 1300 Franken. Zum Vergleich: Mit den alten Elektroheizungen und Elektroboilern beliefen sie sich auf ungefähr 5000 Franken.
Kooperation auch im Solarbereich
Fünf der sechs Eigentümerschaften haben unabhängig voneinander in den vergangenen Jahren je eine Photovoltaikanlage installieren lassen. Alle Anlagen zusammen haben eine Leistung von rund 43 kW. Zudem verfügen drei der Liegenschaften über einen Batteriespeicher. Aus dem Projekt der Heizungssanierung heraus hat sich auch in diesem Bereich eine Zusammenarbeit ergeben: Die sechs Nachbarn haben kürzlich einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gegründet. Damit können sie den Strom der Photovoltaikanlagen optimal für die Wärmepumpe und weitere Verbraucher wie Elektroautos nutzen. Durch die gemeinschaftliche Nutzung des Solarstroms steigen der Eigenverbrauchsgrad und die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlagen. Und: Für die Versorgung der Wärmepumpe kann der selbst produzierte, günstige Solarstrom verwendet werden, sodass die Kosten für Heizung und Warmwasser künftig noch tiefer ausfallen.
Markus Sahli empfiehlt anderen Eigentümerschaften in ähnlicher Situation, sich mit den Nachbarn zusammenzuschliessen, wenn das möglich ist. Zwar erfordere ein Planungsprozess mit mehreren Parteien Koordination und Entscheidungsfreude, aber das zahlt sich Sahli zufolge wirtschaftlich langfristig aus. «Wichtig ist auch, frühzeitig eine professionelle Beratung beizuziehen, um eine ganzheitliche Perspektive zu erhalten.» Im Fall der Reiheneinfamilienhäuser in Lyss ergab diese zum Beispiel, dass die in die Jahre gekommenen Elektroboiler gleich mitersetzt wurden. Damit ist die Energieversorgung der Gebäude nun fit für die Zukunft.
Weitere Informationen
Gelten auch in Ihrem Kanton Sanierungsfristen für Elektroheizungen oder -boiler? Bei EnergieSchweiz finden Sie eine Übersicht.
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