Bettwäsche

Der gute Schlaf hängt auch von der Bettwäsche ab

Eine erholsame Nachtruhe hängt nicht nur vom richtigen Bett und der Matratze ab, sondern kann auch durch die Bettwäsche beeinflusst werden. Gross im Trend liegen kräftigere Farben, aber auch nach wie vor Blumenmuster und Unifarben.

von Silvia Schaub

Journalistin

Wenn man sich schlaflos im Bett wälzt, stellt sich vielleicht schon mal die Frage, ob wohl auch die Bettwäsche einen Einfluss auf den Schlaf haben könnte. Durchaus, findet Oliver Balsiger, CEO der Balsiger Textil AG. «Man muss sich wohlfühlen in der Bettwäsche, sonst schläft man nicht gut. Natürlich gibt es noch ganz viele andere Faktoren.» Susanne Krebs, Head of Design von Schlossberg Switzerland, meint dazu: «Die richtige Bettwäsche und – ganz wichtig – das richtige Duvet und Kissen haben definitiv einen signifikanten Einfluss auf guten Schlaf.»

Das wussten schon die Menschen in der Steinzeit. Laut Archäologen sollen unsere Vorfahren vor rund 70 000 Jahren auf speziell präparierten Pflanzendecken aus Lorbeerblättern geschlafen haben. Diese hielten Insekten fern. Darunter lag Gras oder zartes Astwerk. Später um 1400 haben reiche Kaufleute auf mit Diamanten besetzten Kissen geschlafen. Ob dies wirklich so bequem war, sei dahingestellt.

Materialien sind auch Geschmacksache

Jedenfalls ist es noch heute wichtig, dass die Haut im Schlaf atmen kann und dass die Feuchtigkeit der nächtlichen Ausdünstung aufgenommen wird. Doch die richtige Auswahl zu treffen, ist gar nicht so einfach, zumal die Vielfalt allein schon bei den Materialien riesig ist – und erst recht bei den Designs. Generell sei es jedoch typenabhängig, so Balsiger, welches Material man wähle. So gilt etwa Leinen als eher kühlend. «Aber es gibt auch Menschen, die in Leinen sogar mehr schwitzen.» Doch tatsächlich beobachten die Bettwäsche-Anbieter eine grosse Nachfrage nach Leinen. Ähnliche Qualitäten bietet Hanfbettwäsche. Neben diesen natürlichen Materialien habe auch Baumwolle in den unterschiedlichsten Webarten – sei es als Satin, Popeline, Seersucker oder Jacquard – gute Fähigkeiten, was die Wasserabsorption und Saugfähigkeit angeht, sagt Susanne Krebs. «Baumwolle ist hautfreundlich und unterstützt die körpereigene Klimaregulation.» Das ist nicht ganz unwichtig, weiss man doch, dass ein Mensch pro Nacht mindestens 200 ml Schweiss produziert, in einer heissen Nacht sogar bis zu einem Liter.

Auch die Haptik ist nicht ganz unbedeutend. Manche mögen es lieber weich, glatt und elegant und wählen deshalb Satin-Bettwäsche. «Andere wiederum bevorzugen einen körnigen, trockenen Griff, lieben den Casual-Look und sind deshalb Leinen-Fans», stellt Susanne Krebs fest. Hauptsache aber, die Materialien basieren auf natürlichen Rohstoffen. Darauf legen die Schweizer Hersteller grossen Wert. Damit verbunden ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema bei der Bettwäsche, schliesslich hat dies auch einen Einfluss auf die Langlebigkeit der Produkte. Bei den Marken lavie und Journey Living von Balsiger ist das die Basis. «Wir benutzen wo immer möglich biologisch angebaute und nach GOTS-Standard (Globale Organic Textile Standard) verarbeitete Materialien», so der CEO. Wichtig sei auch die Transparenz in der Lieferkette. «Deshalb benutzen wir zum Beispiel bei unseren Baumwollprodukten BioRe-Baumwolle, weil wir so sicherstellen, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette kennen und wissen, dass sämtliche Produktionsschritte – vom Anbau bis zum fertigen Produkt – verantwortungsbewusst durchgeführt werden.»

Das Auge schläft mit

Ob auch die Farbwahl einen Einfluss auf den Schlaf hat, ist eher zu bezweifeln. Aber das Auge schläft dennoch irgendwie mit – und sei es auch nur vor dem Einschlafen. «Bettwäsche gestaltet das Schlafzimmer mit und trägt zur Stimmung im Raum bei», ist Schlossberg-Designerin Susanne Krebs überzeugt. Deshalb könne man sie wie einen Einrichtungsgegenstand betrachten. Da bleibt die Grundsatzfrage: uni oder gemustert? Bei der Balsiger Textil AG stellt man fest, dass die Kundschaft wieder mehr Lust auf Farbe hat und kräftigere Farbtöne besser verkauft werden. Da bietet sich die «Morocco Collection» geradezu an. Das Designteam der Marke Journey Living liess sich auf einer Reise nach Marokko von den Farben, Mustern und Düften für ihre Dessins inspirieren. Zum Beispiel bei der Bettwäsche Casablanca mit blauen Ornamenten oder Bellecour rose, die für die pastellfarbenen Sonnenuntergänge Marokkos steht.

Bei Schlossberg sind die aktuellen Bestseller die Designs aus der Kollektion «Unique Moments», von Hand gemalt und von der Natur inspiriert. «Diese Designsprache gehört zur Schlossberg-DNA und ist nach wie vor sehr beliebt», betont Susanne Krebs. Es sind genau 60 Jahre her, seit Schlossberg mit dem Design «Jeunesse» die erste farbig bedruckte Bettwäsche lancierte. «Das war damals eine kleine Sensation auf dem Bettwäsche-Markt.» Die Blumenmuster von Adèle oder Ophelia sind ebenso bezaubernd wie die alpine Motivwelt von Montagna und Flurina.

Schweizer Traditionsunternehmen

Ebenso zu den führenden Bettwäsche-Herstellern gehört das St. Galler Unternehmen Christian Fischbacher, das bereits seit 1819 besteht und heute in der 6. Generation von Michael Fischbacher und seiner Frau Camilla geführt wird. Die Musterwelt ihrer Neuheiten führt in mystische Wälder, zu exotischen Blüten und schneebedeckten Landschaften. Aber auch tiefes Blau und Purpur mit goldenen Akzenten bringen eine moderne Eleganz ins Bett. Immer noch sehr beliebt ist das Design Pusteblume, das Christian Fischbacher schon seit 25 Jahren im Sortiment hat. Dazu gibt es eine neue limitierte Edition unter dem Namen «Dandelion», dem englischen Wort für den Löwenzahn, der zur Pusteblume wird, wenn er verblüht.

Noch nicht so lange auf dem Markt ist die Firma Divina of Switzerland aus Rheineck, aber mit 70 Jahren auch schon lange etabliert und geführt in der 3. Generation von Cheryl und Rico Bossi. Jung, frisch und modern ist die Mako-Satin-Bettwäsche Verso in Double-Face in verschiedenen Farben, sommerlich die Kollektion Solare mit frischen Streifen und hübsch das Design Galaktika mit Sternen, das für einen schwerelosen Schlaf in den unendlichen Weiten des Weltraums sorgen soll.

Noch ein Wort zu den Oberleintüchern, die früher gang und gäbe waren, heute aber kaum mehr benutzt werden. Fast ein bisschen schade, denn gerade in heissen Sommernächten, oder für Leute, die schnell einmal schwitzen, sind sie ideal. Weshalb Oliver Balsiger sie auch für unsere Breitengrade sehr empfiehlt, «weil man so weniger schwitzt und trotzdem zugedeckt ist». Jedenfalls laden die Oberleintuch-Kollektionen von lavie mit superleichten Materialien – egal ob Alma und Paul mit den bunten Farbverläufen oder Leni mit den Unis – dazu ein, spätestens im nächsten Sommer wieder einmal eines zu gebrauchen.