Meier meint

Bauen versus verhindern

von Markus Meier

Direktor HEV Schweiz

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Die Leerwohnungsziffer wird im September jedes Jahres vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht. Sie wird per Stichtag 1. Juni erhoben und ist nach Kantonen gegliedert. Als Leerstände gezählt werden alle Wohnungen, die auf dem Markt zur Dauermiete oder zum Kauf angeboten werden. Dabei werden alle bewohnbaren Wohnungen berücksichtigt, unabhängig davon, ob sie möbliert oder nicht möbliert sind. Mitgerechnet werden auch leer stehende Ferien- oder Zweitwohnungen, wenn sie das ganze Jahr bewohnbar und zur Dauermiete oder zum Verkauf ausgeschrieben sind.

Es empfiehlt sich, die Leerwohnungsziffer kritisch zu betrachten. Die Wahl der Erhebungsmethode zur Bestimmung dieser Ziffer obliegt den Gemeinden. Die ermittelten Werte werden dem BFS zur Zusammenfassung und Verdichtung weitergeleitet. Eine vom BFS vor bald 25 Jahren in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass die Erhebungen auf Gemeinde-ebene nach unterschiedlichen Methoden erfolgen. Während einige Gemeinden Vermieter und Eigentümer befragen, stützen sich andere auf die Daten der Einwohnerkontrolle oder auf Zeitungsanzeigen und Online-Inserate. Viele Wohnungen tauchen in der Statistik gar nie auf, weil sie zum Beispiel an einem Anschlagbrett oder innerhalb kurzer Zeit wieder vermietet werden. Der HEV Schweiz rät deshalb seit jeher, diese Quoten kritisch zu betrachten.

Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) nennt für einen funktionierenden Wohnungsmarkt eine Leerwohnungsziffer von 1,5 Prozent. Ein Wert von weniger als 1 Prozent signalisiere gemäss BWO «Wohnungsnot». In den letzten 5 Jahren ist die Leerwohnungsziffer von 1,54 Prozent (71 000 Wohnungen) auf 1 Prozent (48 000 Wohnungen) gesunken. Die Bevölkerung ist im gleichen Zeitraum von 8,7 auf 9,1 Millionen Personen angewachsen.

Auch wenn die Leerwohnungsziffer – wie oben beschrieben – mit Vorsicht zu geniessen ist, zeigt diese Entwicklung den Handlungsbedarf. Wenn die Anzahl der Nachfrager steigt und jene der angebotenen Wohnungen sinkt, darf es kaum verwundern, dass sich der daraus wachsende Nachfrageüberhang in der Preisentwicklung niederschlägt. Das probate Gegenmittel wäre, mehr Angebote zu bauen. Effektiv praktiziert wird augenscheinlich viel zu oft das Verhindern.

«Effektiv praktiziert wird augenscheinlich viel zu oft das Verhindern.»