Ganz unter uns

Auswege aus der Wohnungsnot

von Urs Pfenninger

Direktor HEV Schweiz

Das Erfolgsmodell Schweiz hat seine Kehrseiten. Eine davon ist die Wohnungsknappheit in zahlreichen Städten und Gemeinden. Im Grundsatz ist die Lösung unbestritten: Wir brauchen rasch neuen Wohnraum. Und zwar – auch da gibt es eine breite Übereinstimmung – möglichst ohne wertvolles Kulturland zu opfern und die Zersiedelung weiter anzuheizen.

Der logische Königsweg existiert längst: die Innenentwicklung durch Verdichtung. Sie schont Ressourcen, bewahrt unsere Landschaft und nutzt bestehende Infrastrukturen optimal. Doch leider hinkt die Realität dem Anspruch hinterher. Ersatzneubauten setzen den Abbruch bestehender Wohnungen voraus und verringern das Angebot oft vorübergehend. Die bauliche Verdichtung blockiert sich im Alltag selbst. Die Entlastung des Marktes erfolgt schlicht zu langsam.

Verantwortlich dafür ist ein dichtes Geflecht aus administrativen Hürden. Komplexe Bauvorschriften, starre Auflagen, strenge Anforderungen beispielsweise beim Lärmschutz oder langwierige Planungsverfahren bremsen den Wohnungsbau aus. Wo rasch bezahlbarer Wohnraum entstehen müsste, dominieren Einsprachen und bürokratische Blockaden.

Wenn wir den Druck vom Markt nehmen wollen, ist genau hier anzusetzen. Es braucht schlankere Verfahren, mehr Planungssicherheit und echten Spielraum für intelligente Umnutzungen von Büroimmobilien. Verdichtung darf kein unendlicher Hindernislauf sein.

Wenn all diese Hebel aber nachweislich versagen, muss der Blick auf Alternativen fallen. Kantone, Städte und Gemeinden sollen unter gewissen Bedingungen bedarfsgerechte Neueinzonungen vornehmen dürfen – gebunden an einen klaren Kriterien-katalog.

Der Fokus muss auf der Innenentwicklung liegen. Hier ist der Gesetzgebungs- und Bewilligungsapparat gefordert, die Bremsen im System endlich zu lösen. Nur wenn wir die Hürden bei der Verdichtung konsequent abbauen, wird verhindert, dass am Ende doch wieder Kulturland weichen muss. Die Hausaufgaben sind anzupacken – zügig und entschlossen!

«Wo rasch bezahlbarer Wohnraum entstehen müsste, dominieren Einsprachen und bürokratische Blockaden.»